Texte und Zeichen
Beiwerke, Cuentos, Ensayos, Leseproben, Nachträge

ZAUNKÖNIGLICHE MINIATUREN VON AUFHUCKERN, NACKEDEIS UND ANDEREN VÖGELN
REAL-METAPHYSISCHE KURZGESCHICHTEN, IN DENEN HINTER DEN KULISSEN WIRKLICHER ERFAHRUNGEN ABGRÜNDE VON VERWIRRUNG, LASTER UND GLÜCKLOSIGKEIT SICHTBAR WERDEN./ CUENTOS BREVES DE LO REAL METAFÍSICO DONDE DETRÁS DE LAS BAMBALINAS PERCIBIDAS COMO REALIDADES SE ASOMAN LOS ABISMOS PERTURBADORES DE ERRORES, VICIOS Y DESGRACIAS.

MARITTA UND DAS WOHLTEMPERIERTE KLAVIER

Ein Traum brachte mich auch diesmal auf die Spur verschiedener Wahrscheinlichkeiten. Es mochte in der Nähe der Piazza del Popolo gewesen sein, wo ich auf Maritta traf, die hübsche, elegische, ungefärbte Blondine, welche so überaus sanft jegliche Frage, von denen sich manche natürlich nicht stellen ließen, beantwortete, dass sich das Nackenhaar eines Katers wohlig elektrifiziert sträubte. Aber die Kuschel- und Racheidelwünsche, das Irrlichtern der leibeslüsternen Begierden löschte mit der Wucht eines Eimers voller kleiner Fische in Meerwasser oder voller Mäuseleichen ihre sanfte Klage, schon seit Jahren nicht mehr schlafen zu können und ganz verzweifelt zu sein. Auch die sanften Wölbungen ihrer Brüste, die sich im Musselin ihrer Bekleidungsschichten verbargen, holten die Sauvögelchen nicht wieder zurück. Welcher Dämon verhinderte, dass irgendein Schwänzlein, Züngelchen oder Fingerchen, eine Peitsche, ein Eichenknüppel oder Nudelholz Marittas Muschelmesuse nicht soweit ermatten konnte, dass sie endlich in erlöstem Schlaf wegsackte? Welcher satanische Piesepampel, he? Ich wusste, nicht von ihr, sondern von ihrer Kollegin Almut, dass sie eine Beziehung mit dem Lektor für Französisch, Claude Malheur, unterhalten habe. Claude, der auch Pianist war, wies merkwürdig große behaarte Male beiderseits des Kehlkopfes auf sowie tief eingeschnittene Falten im Gesicht, Schanzgräben harter Bartstoppeln, welche zum Sturmangriff mit aufgepflanztem Bajonett parat schienen. Er schwur auf die Pianospieltechnik zur Zeit Beethovens, die den Prinzipien des wohltemperierten Klaviers und der langsamen Garung verpflichtet gewesen seien. Er hatte mir solches einmal zu erklären versucht, dabei irrlichterte schweflig Gelbes im Hintergrund seiner kohlschwarzen Augen. Dass Claude, der ja verheiratet war und eine Tochter, Margarete, hatte, auf der sanften Maritta wie ein Räuberhauptmann aus den französischen Alpen herumholzen und wie auf einem Hammerklavier mit ihr trillernde Läufe über sämtliche Oktaven veranstalten würde, war ihm zuzutrauen, gestand ich mir mit dem Neid eines vorsichtigen Hutschfiedlers, der ~ ähnlich wie ein Spaziergänger am Waldrand zunächst hündische Tretminen befürchtet ~ während der Zeit der ersten Zauberküsse allenthalben explosive Befruchtungsfallen argwöhnt. Das lässt natürlich den „Iste“, um jenen von Weimar zu zitieren, manchmal beim wunderhübschesten Schnäppchen zaudern, was als schmachvolle Schlappe eine tiefe Seelenscharte hinterlässt. Dass Beelzebub mit gehisster Fahne einspringt und vielleicht sogar mit einem blutigen Seelchen triumphierend auf seine Burg reitet, muss sich der Bangbüchsige Jahrzehnte lang schönreden.

Der vollständige Text von insgesamt 14 Kurzgeschichten "Zaunkönigliche Miniaturen von Aufhuckern, Nackedeis und anderen Vögeln" ist als PDF-Datei zugänglich.

Texte und Zeichen
Beiwerke, Cuentos, Ensayos, Leseproben, Nachträge

SÜßES GIFT VOM TEUFELSMOOR. HEXAMETRISCHE KRIMINALPOSSE
DULCE VENENO DEL PANTANO DEL DIABLO. FARSA POLICÍACA
VOR DEM HINTERGRUND NORDDEUTSCHER DORFIDYLLIK WIRD IN BESCHWINGTEM SPRACHRHYTHMUS DIE GESCHICHTE VON ZWEI ENTZÜCKENDEN SCHWESTERN ERZÄHLT, WELCHEN NACH EINIGEN FEHLSCHLÄGEN SCHLIEßLICH DIE ERMORDUNG IHRES UNCOOLEN STIEFVATERS WÄHREND EINER KREUZFAHRT GELINGT. / CON EL TELÓN DE FONDO DE LAS ALDEAS IDÍLICAS DEL NORTE DE ALEMANIA , SE CUENTA, EN EL AMENO RITMO DEL HEXÁMETRO, LA HISTORIA DE DOS HERMANAS ENCANTADORAS. DESPUÉS DE ALGUNOS INTENTOS FRACASADOS DE ENVENENAR A SU MALQUERIDO PADRASTRO, LOGRAN ASESINARLO DURANTE UNA TRAVESÍA EN CRUCERO.

WILLE UND VORSTELLUNG

Einst lebten zwei Schwestern im Moor, das nach dem Teufel man nannte, war es doch Schauplatz von schaurigen Taten und wahnhaftem Trugbild. Zunächst nur voll stinkender Morcheln und fauliger Knollen, aber alsbald bepflanzt jener das Land mit tückischen Blumen und listigen Kräutern.

Entzücken und unkeusche Wünsche erregten manche der Pflänzchen, die gleich Nymphen und Hamadryaden süßestes Gift bergen im schwellenden Saft ihres Blattwerks, im Liebreiz von Farben und Düften, in verborgenen Wundern der Wurzeln, wenn man diese sanft auskocht.

Manch Hexlein, vom Hafer der Wollust gepiesackt, bereitete wonnebringenden Sud aus Blüten und Blattwerk, wiederum verhalfen manche der Pflanzen der Wut und Empörung zu erlösender Qual eines Unholds; aber manchmal erlitten fast Schuldlose Bauchweh und Herzklaps.

Die Schwestern: Lilie und Veilchen Siljana, hingegen rosengleich pieksend, frech lockende Augen und früh wonnig gerundet Timona, die ließen manch älteren Lustmolch, dem sie lächelnd ein Trünklein kredenzt, Jammer erdulden, versinken in Gülle oder nächtlichem Meer.

Den zwei köstlichen Weibchen, an denen Mephisto ~ als Tremptrull, Geißbock und Siegfried ~ selbst Narren gefressen, verleiht er mit forschender Neugier Gemüter verschiedenster Art: dem eigenen Wesen verwandt die Timona als Feuer, hingegen Siljana ein tiefschwarzer Moorsee.

Untrennlich standen ein füreinander die teuflischen Mädchen als Giftnonne und Vamp, Justine und Juliette, verschworen zudem, Verwandte und Nachbarn, Freunde von Stöckeln und Stiefeln schäkernd zu foppen, die Wahrheit verhüllend.

Von Natur schmückte Blondhaar Timona, sie färbte es schwarz, umgekehrt blond die Siljana die schwarzbraune Wolke der Mähne. Schädel und Knochen von Toten zierten Unterwäsche und Blusen der einen, Lilien und Fingerhüte den keusch scheinenden Busen der andern.

Somit war keine, was sie zu sein schien, gaukelnd jedoch entsprach ihr Schein ihrem Sein in lockerem Abstand. Ob es ihnen gelang, solch weibliche Rätsel bewusst zu enziffern, ihre Blumensternaugen verrieten es eher als ihre Kussmündchen oder klug gehüteten Zünglein.

Für Siljana, die ältre, war das Getriebe der Welt, wenn sich Timona wie häufig bis zum Koma vergnügte, an der Hand nur von Männern erfahrbar, die aber jünger sein mussten als sie, denn ihr galten als eklig die Alten, was generell auf diese wohl zutrifft.

Schon der Anblick, besonders jedoch das Glotzen des Graubarts erzwang, die feingliedrigen Hände mit Eifer und Seife zu waschen. Im Notfall, war dieses nicht möglich, bot ein zierliches Fläschchen Erlösung, gefüllt mit des Sagrotans sanftduftender Lauge.

Auch die Timona zog in der Regel jüngere Burschen für Liebe, Transport oder sonstige Dienste zu Hilfe, weil die ihrer Klugheit und listigen Rede sowie schneller Berechnung niemals gewachsen, somit leicht um ihre Finger sich wanden, bereits für ein Küsschen in Ehren.

Wenngleich wie Siljana auch sie alte Säcke als eklig empfand, war ihr bewusst, dass leicht offenbarte Reize von Elfen und Jungfern auch betagtere Rüden zu Tollheit und eingezogenen Bäuchen verleiten. So schenkte sie manchen ein Lächeln und erntete Winseln und Demut.

Scheu hatte Timona nie, liebte glitschigen Schlamm und Morast als Kind und schlimmer als Mädchen planschte und hüpft sie in jeglicher Pfütze herum; besonders erfreuten sie Faxen und Fratzen, die in des Teufelmoors Tümpeln ihr betörendes Ebenbild schnitt.

Gleichfalls liebreizend die zarte Siljana, ein künstlich Blondinchen, das ein paar Jahre fern von dem Moor ihrer Heimat, den Sümpfen des Satans, im Kittchen sich mopste; obwohl Satans Nichte braucht sie die jüngeren Partner, um die Praxis des Daseins zu meistern.

Der vollständige Text unter dem Titel: "Süßes Gift vom Teufelsmoor" ist als PDF-Datei zugänglich.

Download

Texte und Zeichen
Beiwerke, Cuentos, Ensayos, Leseproben, Nachträge

Spanische Burrocracia: ¡Vuelva usted mañana!
(Herzliche E-Mail- Korrespondenz wegen eines Grundstückskaufs auf Lanzarote, leicht kafkaesk). Correspondencia cariñosa por correo electrónico a causa de la compra de un terreno en Lanzarote, con toques esperpénticos)

Lanzarote, 10. 6. 2015

Liebe F.,
vielen Dank für die Vollmacht. Jetzt, zusammen mit dem von Dir unterschriebenen Kaufvertrag und der Originalbesitzurkunde wäre eigentlich alles in Ordnung, wenn Deine Notarin nicht vergessen hätte, in die Vollmacht auch Deine Steuernummer für Ausländer (NIE ) einzutragen. Du bekommst sie in Deinem zuständigen Finanzamt, mehrfach abgestempelt, wie das die spanische Burrocracia für erforderlich hält.
Ich hoffe, dass es Dir gesundheitlich gut geht und auch sonst der ánimo weiterhin arriba bleibt.
D.

Santander, 12.6.2015

Lieber D.
würde es vielleicht reichen, wenn ich deinem Notar die Steuerurkunde einscanne und per email schicke? Falls nicht, soll ich dir eine copia compulsada schicken? Ich hoffe du hast neben den bürokratischen Schlachtzügen gegen Windmühlen eine schöne Zeit auf Lanzarote.
F.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Lanzarote, 17.6.2015

Liebe F.,
der Amtsburro wackelt weiter mit seinem Dickschädel. Also gestern versuchte ich, mit Deiner beglaubigten NIE endlich die Besitzurkunde zu bekommen, aber die Notariatsangestellte sagte, die beglaubigte Kopie des Zertifikats der NIE "no me sirve", ich solle versuchen, beim Finanzamt in Arrecife eine Beglaubigung des beglaubigten Dokuments zu erwirken.

Dort, nach der Eingangskontrolle und Erläuterung des Sachverhaltes wurde ich an einen der Finanzbeamten verwiesen. Während ich diesem noch einmal den Sachverhalt erklärte, starrte er nach einem flüchtigen Blick auf meine Unterlagen in die Luft, rechts an meinem Kopf vorbei, vielleicht auf einen fernen Punkt seiner Daseinserlösung, und sagte ebenfalls: "no me sirve"; außerdem kam noch aus ihm raus, dass nur die örtliche Polizeibehörde eine Beglaubigung ausstellen könne, nicht aber die Stadtverwaltung, allenfalls ein Notar. Nun hat ja eben Deine Notarin den Bockmist fabriziert, die NIE nicht in die Vollmacht einzutragen, und Deine dortigen Rathausbeamten wissen nicht, dass sie nicht befugt sind, etwas zu beglaubigen. Eigentlich ist das eine lustige Geschichte, nur insofern nicht ganz so lustig, als Du Dich noch einmal wegen der NIE bemühen musst. Da sich das jetzt alles nicht so schnell erledigen lässt, haben wir Zeit bis zu meiner nächsten Reise nach Lanzarote, also ab Mitte Februar.
Nun sei herzlich umarmt
D.

***********************

Santander, 3.1.2016

So, lieber D., das Werk ist vollbracht. Das zumindest hat man mir in der Notaría in Santander hoch und heilig versprochen. Die Legitimation meiner NIE wurde direkt zu deiner Notarin nach Lanzarote geschickt, wo sie dann an die Vollmacht geheftet werden soll, und du bei deinem nächsten Besuch alles rechtens vorfinden solltest. Das zumindest ist der Plan, ob solch hoch anspruchsvolles Unterfangen dann tatsächlich mit spanischkanarischen Bürokratenfingerlein in die Tat umgesetzt werden kann, steht auf der nächsten Seite geschrieben. Sollte es nun doch "überraschender Weise " zu Komplikationen kommen, so versicherte man mir, nach Kenntnisnahme meiner Zweifel, werde man sich erneut zwischen den Notaren direkt verständigen und diese aus dem Weg räumen.
Sei erstmal wieder lieb gegrüßt
Alles Gute
F.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Deutschland. 4.1.2016

Liebste F., so bleiben wir ja auch in lustigem Kontakt. Hast Du Deine entlaufenen Esel ‒ auf einem Capricho von Goya sitzt einer gravitätisch hinter einem Schreibtisch ‒ wieder eingefangen? Was die Notarias anbelangt, kann man nur hoffen, dass sie die gleichen Gesetzbücher benutzen. Ob das „hoch anspruchsvolle Unterfangen“ der zu Gesetzestreue und Rechtswahrung verpflichteten Beglaubigerinnen eine alle Parteien befriedigende Lösung findet, werde ich ja in der ersten Märzwoche feststellen. Dir sage ich wieder einmal herzlichen Dank für Deine Bemühungen. Ich hoffe, dass Du ein rundum erfreuliches Jahr 2016 vor Dir hast und begleite Dich dabei mit meinen herzlichsten Wünschen sowie der stillen Sehnsucht, Dich noch einmal in Kantabrien wiederzusehen und Deine echten, freiheitsliebenden, folglich nicht unklugen Esel zu bewundern.
D.

**********************

Lanzarote, 2.3.2016

Allerliebste F.,
nur zu Deiner Unterhaltung: Also der notarielle Affen- oder besser Äffinnenzirkus hat noch nicht seinen oder ihren Höhepunkt erreicht, aber die Hoffnung soll ja zuallerletzt sterben. Also am 29. 2. präsentierte ich mich, armado con resignada paciencia, der Notariatsangestellten Beatriz. Nein, sie habe keinen Anruf von Deiner Notarin María Fulanita Mengano Perengano erhalten. Dann rief sie bei dieser an, welche schwur, Deine NIE übermittelt zu haben. Meine Beatrucha konsultierte eine Stunde lang ihre Kolleginnen im Haus und kam dann schließlich mit Deiner gefaxten NIE zurück. Aber es fehle die Unterschrift Deiner Notarin, welche allerdings ihren goldwerten Krakel demnächst nachliefern wolle.

Nun aber stellte sie nach einer beflissenen Suche in einem nicht allzu geordneten Ordner fest, dass meine NIE zwar in Ordnung und auch aktenkundig sei, allerdings nicht mehr gültig seit dem ersten März dieses Jahres, also seit dem morgigenTag. Ich müsse also meine alte NIE neu beantragen bei der Comisaría der Nationalpolizei. Zu dieser marschierte ich also, wenig wohlgemut, ordnete mich in einer Schlange von vielen armen Seelen ein, welche ebenfalls einen Antrag auf Erteilung oder Erneuerung der Steuernummer stellen mussten. Gnädig hatte mir meine Beatritze eingeräumt, dass bereits die Bestätigung meines Antrags, der einige Tage oder Wochen Bearbeitungszeit bräuchte, gültig sein könnte, um mein Vorhaben der Übertragung der Besitzurkunde auf meinen Namen voran zu bringen. Als ich schließlich nach einer Stunde Warten an die Reihe kam, sagte mir der schlechtmilchige Polizeibeamte, welcher im äußersten Vorraum der Comisaría vorkontrollierte, bevor man durch einen langen Sicherheitstrakt zum eigentlichen Warteraum gelangt, dass ich mich morgen ab 8 Uhr 30 wieder anstellen müsse, denn die Dienststelle würde 11 Uhr 30 schließen, und jetzt sei es zwar 11 Uhr 20, aber auf eine Diskussion ließe er sich nicht ein: „Vuelva usted mañana“. Der uniformierte Cabrón ibérico wusste wohl nicht, dass er einen spanischen Klassiker zitierte, Mariano José de Larra, der seinen berühmten Artikel „Vuelva usted mañana“ vor knapp 200 Jahren geschrieben hat. (¿Sollte man froh sein, dass sich trotz Computer, Internet und Globalisierung in Spanien nichts in den vergangenen Jahrhunderten geändert hat, bis auf die Chorizos, welche früher besser schmeckten als heutzutage?)

Am nächsten Tag fuhr ich in aller Carajomorgenfrühe nach Arrecife zum Polizeiquartier, ordnete mich in die Warteschlange ein und erhielt, als ich meine Unterlagen vorzeigte, die erfreuliche Antwort, dass alles in Ordnung sei und ich gar keinen Antrag stellen müsse. Da sich doña Beatrinariknollengona am Morgen immer Zeit lässt, wartete ich im Büro eine gute Stunde auf sie. Ach ja, das habe sie gar nicht gewusst, dass ich schon seit fünf Jahren eine nationalpolizeilich gültige Steuernummer besäße und nicht nur die vom Finanz- und Wirtschaftsministerium vergebene; aber Deine kantabrische Notarin habe immer noch keine Unterschrift geleistet. Also vielleicht übermorgen. Zwei Tage darauf rief ich – nicht allzu früh, um das Notariat nicht gegen mich aufzubringen ‒ die Beatrulla an, ja, nach fünf Telefonaten habe sie endlich die Unterschrift unter Deiner NIE erhalten. Am Freitag könne man dann, proceder procediendo, die Urkunde ausstellen. Pustecacakuchen. Die Notarin, Doña Inmaculada Ramona Rodríguez Pinilla, eine aufgetakelte, zierliche Endvierzigerin, plenipotenciaria über die Welt und verduga implacable de vejetes asquerosos sagte mir, sie könne keine Übereinstimmung zwischen den ihr vom Katasteramt gelieferten Daten, unserem Kaufvertrag, der Vollmacht sowie der alten Besitzurkunde feststellen, sie wolle sich aber mit Deiner Notarin in Verbindung setzen. Fast wollte ich schon etwas von me cago en la puta leche de su … del demonio äußern, zog aber doch vernünftigerweise meinen Schimpfschwanz ein und knurrend ab. Die Wechseljahresgiftkröte feiert wahrscheinlich das ganze Wochenende hindurch ihren Triumpf über den carcamal de Merkelandia.

Aber: ich krieg das noch hin, notfalls mit einer etwas teureren Abogada von hier, welche die überkandidelten Pedanterien ihrer Zunftgenossinnen kennt … Nun sei noch herzlich gegrüßt. Auf unser Wiedersehen im April freue ich mich, Dein D.

**********************

Lanzarote, 7.3. 2016

Meine liebe F.,
wieder hat sich die Angelegenheit verkompliziert, da der Teufel auch noch mitmischen wollte und an verschiedenen Stellen seinen schweinsborstigen Schwanz reinhängte. So ergab mein Besuch beim Katasteramt in Yaiza, dass im Jahr einer Maricastaña Tobak eine NIE von Dir eingetragen wurde, die mit Deiner, um deren Beglaubigung wir so lange gekämpft haben, nicht übereinstimmt. Also wurde ein Antrag auf Überprüfung (in fünffacher Ausfertigung) beim Madrider Finanz- und Wirtschaftsministerium bzw. dem Staatssekretariat für Haushaltsplanung und Finanzen, Unterabteilung Oberstes Generalkatasterwesen gestellt. Die Bearbeitung dauere ungefähr drei, vier Wochen, sei also wahrscheinlich erledigt, wenn ich in drei Monaten wieder nach Lanzarote komme.

Inzwischen konnte ich tatsächlich die Besitzurkunde abholen, von der Wechseljahresgiftkröte Inmaculada Ramona Etcetera unterschrieben, aber mit einem Passus versehen, dass auf Grund der Dringlichkeit noch die notarielle Übereinstimmung Deiner Identität mit Dir, also, dass Du tatsächlich F. bist, ausstehe und beglaubigt, in Übereinstimmung mit den gültigen Verordnungen, nachgeliefert werde. Das könnten wir dann machen, wenn ich Dich besuche und Deine supereffiziente Notaria noch auf dieser Erde und in ihrem Büro weilt, da ja der Teufel ... Mir wurde eine Rechnung von 250 Euro aufgestellt, die ich sofort, nach außen klaglos bezahlte. Nun aber müsse ich mich sofort zur Recaudación de Impuestos der Delegación de Canarias, der kanarischen Steuereintreibungsbehörde, begeben, um dort die Gebühren auf die Besitzurkunde zu bezahlen. Solche kosteten 210 Euro. Nachdem mir ein Konvolut von Papieren in dreifacher Ausfertigung überreicht wurde, konnte ich diese nicht mit einer Scheckkarte begleichen, sondern musste sie bar über eine Bank bezahlen. Ich besorgte dies in Yaiza, da in der Zentrale in Arrecife lange Warteschlangen dösten. Zunächst fand sich die Bankangestellte in Yaiza in dem Papierwust nicht zurecht, dann aber drückte sie mehrere Stempel auf, beglaubigte sie mit ihrer Unterschrift und versprach mir tröstlich, falls noch weitere Stempel fehlten, könne sie noch mehr stempeln und unterschreiben. Mit den als „Pagado“ ausgewiesenen Papieren eilte ich am Folgetag zum Registro de Propiedades, der Behörde für Grundstückseintragungen. Nein, sagte mir dort die junge, ziemlich hübsche Angestellte, die in einem Hinterhof zu einem kleinen Superdino – Markt in Puerto del Carmen residierte, was kein Taxifahrer wusste, ich jedoch mittels eines zopfbärtigen deutschen Aussteigers herausbekam, nein, erst müsse Recaudación de Impuestos der Delegación de Canarias bestätigen, dass ich bezahlt habe, was zwar schon die Bank bestätigt hatte, aber halt noch einmal amtsbehördlich zu bestätigen sei. Wohlgemut wie in diesen 14 Tagen mehrfach fuhr ich nach Arrecife und begab mich zu Fuß vom entfernten Parkplatz zur Recaudationsbehörde in der zur Zeit wegen Bauarbeiten völlig versperrten Innenstadt. Nach Erhalt eines nummerierten Zettelchens und langer Warterei bekam ich weitere Stempel auf die gestern hier ausgestellten und bereits von der Bank abgestempelten Papiere. Dergestalt steuerbehördlich voll ordnungsgemäß abgefertigt, langte ich im Grundeigentumsregisteramt in Puerto del Carmen kurz vor der Mittagspause an. Mit korrekt ernstem Gesichtsausdruck nahm die ziemlich hübsche Angestellte die doppelt bestätigten Papiere entgegen. Sodann musste ich meine neue Originalbesitzurkunde, die uns ja bereits ein Jahr Lauferei gekostet, abgeben und durfte 90 Euro bar zahlen, als Vorabpauschale. Die gültig zertifizierte Besitzurkunde erhielte ich erst nach Berechnung und Bezahlung der Gebühren für die Eintragung ins Grundbuch. Sie schätzte diese auf etwa 200 weitere Euros. Aber vorher müssten natürlich die anderen Angelegenheiten ‒ die Korrektur Deiner doppelten NIE und zweifelhaften Identität ‒ geregelt sein, dann hätte ich noch zwei Wochen Frist, während der ich die Rechnung begleichen müsse. Allerdings sei zu beachten, dass die Frist für den gesamten Vorgang drei Monate betrage. Da ich erst für den 27. 6. den Flug nach Lanzarote gebucht habe, würde ich also drei Wochen über die gesetzte Frist hinaus die Angelegenheit in Angriff nehmen können …

Zusätzlich steht ein weiterer iberischer Teufelscarajoärger aus: die Grundstücksgrenzen wurden neu festgelegt, und nach der letzten Version des munizipalen Katasters, welche die von mir vor drei Tagen eingesehene revidiert, verlaufen Deine aus unerfindlichen Gründen begradigten Grundstücksgrenzen etwa 5 Meter weiter westlich und Du besäßest also nicht mehr 946 Quadratmeter, was in der alten und der neuen Besitzurkunde sowie im Kaufvertrag und der Vollmacht steht, sondern 989 Quadratmeter. Das merkwürdige Vermessungsergebnis kommt daher, dass man mir ein Stück Land abgeknapst hat, um die Differenz auszugleichen und Dich sanft zu stimmen, als man noch nicht wusste, dass ich inzwischen Dein Grundstück gekauft habe, welches immer noch mit Deiner falschen NIE ausgewiesen ist.

Also ich glaube, der iberokafkaeske Zirkus ‒ der Spaniens „Sentimiento trágico de la vida“ von Unamunos begründet, welcher ja einst auf der Nachbarinsel längere Zeit in Verbannung schmorte ‒ ist noch nicht beendet und bedarf weiterer Anträge, Stempel, Unterschriften, Siegel und Gebühren sowie stummer maldiciones de puta madre der Betroffenen. Eigentlich ist das auch wieder zum Lachen, man könnte es sogar vertonen für eine kurze Oper, bei der die alte Olga, die heute im Haus von Paco und Lala zu ihrem Timple mit schräger Greisinnenstimme die lustigen Lieder von der „Cabra loca“ sang, die Hauptrolle bekäme... Also sei herzlich abrazada von Deinem Grundstückskäuferlein D.

**********************

Lanzarote, 1.7. 2016

Liebe F.,
es ist tatsächlich so wie befürchtet und einige amtsschimmelige Spaßvögel männlichen oder weiblichen Geschlechts treiben weiter ihren Schabernack mit einem alten Sack, der ihnen gern vorrechnet, dass er nur noch eine statistische Lebenserwartung von etwa 5 Jahren habe, was sie mit der ambivalenten Floskel von der Lüge der Statistiken quittieren: Hihihi. Also zunächst übergab ich im Registro de propiedad nicht der hübschen Angestellten, sondern einem neutra¬len Jüngling das hochamtliche Schriftstück mit Deinen Daten, welches wir der kantabrischen Notarin so erfolgreich aus den Altweiberrippchen geleiert haben, trotz ihres vorgetäuschten Nichtwissens und ihrer Verzögerungsversuche. Hier nun wiederum gab der Jüngling vor, dass die Einarbeitung des neuen Dokuments der Bestätigung Deiner Identität in die bereits ausgefertigte Escritura für das gekaufte Grundstück etwa 2 Wochen in Anspruch nehmen könne. Dass wir dann wieder, äußerte ich mit aller Sichtbarkeit meiner Altmännertränensäckchen, da ich in dreizehn Tagen zurückflöge, ein halbes Jahr bis zu meinem nächsten Lanzaroteaufenthalt warten müssten, bewog ihn, meine Wartefrist auf eine Woche zu verkürzen, mit dem ernsten Hinweis, dass mein Vorgang dann gegenüber den vielen anderen vorgezogen werden müsste, was natürlich … blablabla …

Inzwischen versuchte ich im Katasteramt von Yaiza herauszufinden, ob sich das Rätsel mit Deiner falschen NIE aufgeklärt hätte. Das konnte der freundliche Beamte mir nicht bestätigen. Er heißt Blas, und als ich ihm als meinen Lieblingsdichter heuchlerischer Weise Blas de Otero nannte, wurde er noch freundlicher, obwohl er gewiss keine einzige Zeile des Autors von Ángel fieramente humano gelesen haben wird. Die entsprechenden Behörden in Madrid, also das Finanz- und Wirtschaftsministerium bzw. das Staatssekretariat für Haushaltsplanung und Finanzen, Unterabteilung Oberstes Generalkatasterwesen ‒ hätten noch nicht geantwortet, aber ob überhaupt das hiesige Ayuntamiento den Vorgang weitergeleitet habe, sei nicht aktenkundig und läge auch außerhalb der Kompetenz dieser Behörde.

Nun wies er mich aber auf ein überaus gewaltiges Grundproblem hin, welches erst noch diversen Instanzen zwecks Kenntnisnahme und Erfassung in den jeweiligen „Systemen“ zugänglich gemacht werden müsste. Dabei handele es sich um meine Hausnummer, welche zwar seit mehreren Jahren (exakt seit 2010) offiziell als Nummer 10 der Straße Pico Redondo im Ortsteil Maciot bestimmt worden sei, was aber der Provinzsteuerbehörde in Las Palmas noch nicht von der untergeordneten Recaudación de Impuestos der Delegación de Canarias in Arrecife, welche mir jüngst Gebühren von 210 Euro für die notarielle Ausstellung der Besitzurkunde abknöpfte, mitgeteilt worden sei; das bedeute, dass ich für ein falsches Grundstück steuerlich veranschlagt wurde. Auf meinen demutvollen Einwand hin, dass die besagte Recaudación doch den Gebührenbescheid mit der korrekten Hausnummer 10 vierfach ausgefertigt habe, ließ er nicht gelten, da ich nach wie vor von allen Steuerbehörden, laut seinem „System“, mit der Hausnummer 8 geführt werde. Aber dem könne oder müsse Abhilfe geschaffen werden. So druckte er in dreifacher Ausfertigung ein Formular aus, mit meinem Namen, der Pass- sowie der spanischen Steuernummer und der alten Hausnummer 8 sowie dem alten Grundstückseintrag entsprechend der ursprünglichen Parzellierung, sodann in einem anschließenden Absatzkästchen wieder alle meine persönlichen Daten sowie die „neue“ Hausnummer 10 mit der jetzt gültigen Parzellierungsangabe. Er glaube nicht daran, dass Recaudación die Hausnummer 10 gespeichert hätte, obwohl sie auf ihren eigenen Gebührenbescheiden mit all dem Gestempele der Bank und der eigenen Behörde sowie allen notwendigen Unterschriften angegeben sei. Ich sollte in der kommenden Woche das von ihm jetzt vorbereitete Dokument zur Hausnummernrektifizierung, welches noch im Ayuntamiento beglaubigt werden müsse, abholen. Nun wollte ich zunächst nicht glauben, dass die ominöse Recaudación de Impuestos der Delegación de Canarias, welche mir jüngst Gebühren von 210 Euro abknüpfte, so dusselig sein könnte, immer noch meine alte, ungültige Hausnummer behalten zu haben. Dennoch bedankte ich mich ausgiebig für die Sachkenntnis und Geduld des braven Beamten Blas, um ein wegen des Insel-Heiligen Marcial verlängertes Wochenende ohne Behördengänge zu genießen. Als ich mich wieder im Katasteramt von Yaiza einstellte, warteten bereits mehrere Personen auf Auskunfterteilung des freundlichen Blas, während ein anderer Bürokrat ungerührt Papiere drehend hinter seinem Schreibtisch saß. Nach ein paar Stunden, die ich mir mit weiteren Behördengängen in Yaiza vertrieb, von denen gleich die Rede sein wird, erhielt ich das zunächst von mir als unnötig angesehene Dokument. Dennoch, im Sinne des deutschen Sprichworts, dass previsión madre del cajón de porcelana sei, begab ich mich zur Recaudationsbehörde in Arrecife, zog vorsichtshalber gleich zwei verschiedene Wartenummern und tat solches gut eineinhalb Stunden lang. Die Angestellte konsultierte mit Gründlichkeit ihr „System“, um festzustellen, dass ich tatsächlich noch mit alter Hausnummer geführt werde, bis hinauf zum allmächtigen Ministerio de Hacienda, in Madrid. Dann gab sie mir einen Zettel zusammen mit dem mehrblättrigen Dokument, mit der Anweisung, mich an einen der Beamten im anliegenden Großraumbüro zwecks Befassung mit der Angelegenheit zu wenden. Etwa vier Stück saßen hinter ihren schwer beschäftigten Schreibtischen, während ich gehorsamst mich hinter eine Theke stellte, etwa zu drei Viertel, um mit einem Viertel des gesamten Körpers etwas mehr physische Präsenz erscheinen zu lassen. Schließlich richtete einer der Schwerbefassten einen fragenden Blick auf mich, den ich verbal höflich in vernünftigem Spanisch beantwortete. Das bewog ihn, mich an seinen Tisch heranzuwinken, den Zettel und das Dokument aushändigen zu lassen, die letzte, für den Antragsteller, also für mich, bestimmte Kopie herauszutrennen, mit Stempel und Unterschriftkrakel zu versehen und mir wieder auszuhändigen. Auf meine heuchlerisch gutwillige Frage hin, ob ich für diesen Vorgang eine Gebühr zu entrichten habe, verneinte er, verbal.

Eigentlich war dieser Donnerstag, der 7.7., ein wahrer Glückstag, denn jetzt wurde mir tatsächlich und wider Erwarten die mehrfach unterschriebene und abgestempelte mit diversen weiteren Dokumenten ausgestattete Besitzurkunde der fälschlich immer noch mit 946 m² angegebenen Länderei gegen Bezahlung der Restgebühr ausgehändigt. Auch die Originalakte der Bestätigung Deiner Identität, welche ebenfalls ein paar Prüfungsstempel zierten, war dabei. Insgesamt mag das Konvolut der Dokumente die Stärke von einem Zentimeter erreichen. Aber, hipphipphurra, endlich, nach 19monatigem Kampf, bist Du erlöst und Deine Identität mit der wahren, richtigen Steuernummer ist beurkundet! Dass nicht ich als nördlicher Grundstückanreiner angegeben bin, sondern Fernando, von dem ich das Land 1984 erwarb, und dass nun auch nicht die aktuellen Grundstücksgrenzen angegeben sind, lässt allerdings für die Zukunft noch ein paar weitere Behördengänge erwarten.

Der spanischen Verwaltungshydra wurde nur ein Kopf abgeschlagen, neue, zunächst noch klein aussehende, wachsen nach. So hatte ich es während des Wartens in Yaiza für angebracht gehalten, mich nach dem Stand eines von mir vor drei Jahren gestellten Antrags auf Erlaubnis der Ausbesserung meiner Zuwegung zu erkundigen. Da ich den durch Regengüsse zerfurchten, 30 Meter langen Weg aber selbst provisorisch ausbesserte, ohne Behelligung durch örtliche Polizeikräfte, ließ ich die Angelegenheit auf sich beruhen. Nun aber, mit einem leicht kämpferischen Kribbeln im Gemütsfell zückte ich die einst ordnungsgemäß registrierte und beglaubigte Kopie meines Antrags gegenüber der freundlich erscheinenden, schlafzimmeräugigen Angestellten der Oficina Técnica. Sie konsultierte ihren Computer und stellte fest, dass mein Antrag vom Ayuntamiento bearbeitet wurde und abholbereit dort lagere. Wiederum begann die herzlich beflissene, diskret attraktive Angestellte des Ayuntamiento sofort, als ich ihr mein Begehren erklärte, diverse Aktenordner nach meinem Antrag zu durchstöbern, mit zunehmender Verzweiflung. Nach mehreren Anrufen und Rückrufen unter anderem bei der Schlafzimmeräugigen der Oficina Técnica, beim Catastro und anderen Behörden, sowie nach erneutem Suchen in den Aktenordnern fand endlich eine andere Angestellte ~eher biestigen Charakters, aber obenrum ansehnlichst proportioniert ~ meinen Antragsbescheid und deklamierte triumphierend, dass er mir bereits 2014 als Einschreiben zugegangen sei und von einer Nachbarin unterschrieben wurde. Es bestünde allerdings die Möglichkeit, eine Kopie der Genehmigung in den nächsten Tagen auszufertigen, welche ich noch vor meiner Rückreise abholen könne. Das tat ich dann, kratzfüßig dankend, als ich die beglaubigte Kopie am nächsten Wochenbeginn ausgehändigt bekam. Noch mit einer Lobeshymne auf die effizienten Angestellten des Ayuntamiento im Kopf begab ich mich zu einer Sitzbank vor dem Gebäude, um das Schreiben zu genießen. Allerdings war der Inhalt ernüchternd: er besagte, dass meinem „Antrag auf Zuweisung der Hausnummer 10 stattgegeben“ worden sei.

Als ich mich nach dem Sinn dieses Schwachsinns erkundigte, wurde ich wieder an die Oficina técnica verwiesen und von der dortigen Angestellten eine Etage hinauf zu einem dickleib-stattlichen Beamten. Der meinte, dass man meine (seit 2010 gültige) Adressenangabe wohl als Antrag angesehen, aber mein Anliegen ansonsten nicht wahrgenommen habe. Vielleicht wäre dem noch abzuhelfen, zudem meinem Antrag die Lageskizze der Zuwegung beigefügt war und man diese für den erneuten Antrag benutzen könne! Gesagt, getan. Ich unterschrieb den noch einmal formulierten Antrag auf Ausbesserung meiner Zuwegung, zumindest drei Mal.

Die Ausbesserung ‒ der Beamte schrieb mit lanzarotinischer Fuchsesschläue „adecentamiento“ (Dezentmachung) ‒ dürfe aber nur mit Lavaasche vorgenommen werden, da ein Plan bestehe, in irgendeiner Zukunft an meinem Haus vorbei eine sechs Meter breite Asphaltstraße direkt bis Femés hochzuführen. Dass wohl nur eine Drahtseilbahn den steilen Berg mit einer Steigung von zumindest 40 Prozent und gelegentlichen Wassermassen des oben anschließenden Massivs des Atalaya überwinden kann, scheint die Straßenplaner Spaniens nicht zu bekümmern. Ich musste 93 Euro zahlen für die Genehmigung, meinen knapp zwei Meter breiten Weg mit einem Bagger etwas freikratzen zu lassen und eine Lasterladung Picón auf dem Weg zu verteilen.

Hier ist beendet nun ein spanisch Possenspiel
nach ärgerlichem Warten sowie der Gebühren viel.
Dennoch ist mancher Lärvchen Schönheit gern zu loben,
die einst in den Bürostand hat gehoben
die Gunst von Onkelchen und Autokraten,
bei Nichten niemals abgeneigt den guten Taten.

Texte und Zeichen
Beiwerke, Cuentos, Ensayos, Leseproben, Nachträge

Resumen de “Spanische Burrocracia: ¡Vuelva usted mañana!”
Las pelafustanas notariales de cierta edad (PENOCAS)

Al parecer ~ todavía estamos al principio de aseveraciones basadas en sólidas investigaciones ~ a las PENOCAS les agrada, es decir que tienen un goce especial, fastidiar, vulgarmente dicho hinchar las pelotas, o algo peor, a vejetes, cuanto más decrépitos mejor. Las penocas, y tengo especialmente a tres ejemplares en mi mira espiritual, habían sido buenas mozas en sus años de gentilezas naturales y unos cinco más, aunque ya condimentadas, según el clarividente don Francisco. Todavía dan testimonio de su arrollador atractivo de antaño la talla grande de buenas proporciones y el busto orgulloso de no me quitan lo bailao. Ahora, todavía lejanas del estado deplorable de sus víctimas, sólo la nariz agrandada por algunos vicios como la acedia espiritual ~ ya que presumen saberlo todo de todo ~ y el cansancio cínico de sus ojeras, quizá también el pelo algo raleado y lacio marcan el traspaso al limbo del resecamiento de las glándulas como anuncio severo del más allá. Es este el momento de abrir la caza a los asquerosos vejetes, lagañosos, malolientes, asmáticos, reumáticos y, por la abundancia de metales pesados y otros venenos en estas piltrafas humanas, inservibles para abonar ningún terruño, de cual sea.

Una de estas penocas se podría llamar, y por obvias razones no es así, Mariángeles Cazurra Muescas, notaria en una ciudad de Cantabria. Ella tenía que extender una escritura de “poder especial” a un señor que recababa a la perfección los criterios contundentes de ser víctima de una poderosa penoca. Le bastaba, a ella, para hinchar gloriosamente un truco tan minúsculo que no se le podía reprobar como un acto de prevaricación, transgresión que tiene sus adictos en la mayoría de los alcaldes hispánicos, muy a menudo tíos, primos o cuñados de una penoca, dicho sea de paso. El criterio principal para nuestra penoca cantábrica era la edad, es decir la vejez del tío ese, del vejete del carajo: casi 80 (ochenta) años. Un segundo criterio era la nacionalidad, ya que el sujeto era alemán y seguramente uno de los esbirros o votantes del la cruel Merkel, lo cual se merecía un castigo extra. Su truco para fastidiarlo gozosamente apresurando un poquito para que alcanzara cuanto antes el término de su inútil existencia, era tan simple como genial: no indicó en todo el documento del apoderamiento el número fiscal, es decir el sagrado NIE de la conferente. Al carecer el documento del temible y todopoderoso NIE “no servía”, a pesar de sus cuatro páginas de “papel exclusivo para documentos notariales” y tapa de cartón y, al final, adornado con un vistoso sello del Consejo General del Notariado Europeo y Español y una imperial firma personal con una cola tan larga y dinámica que atravesaba todo lo ancho de la página, muestra de un contento equiparable al estado de mística transverberación como el de la gran abulense.

La señora que luego constató tan rotundamente la inservibilidad de los cogotudos folios, era otra penoca que residía en la isla de Lanzarote, Beatriz, sin más nombres ni títulos ni apellidos. Ésta, hasta hace diez años seguramente un manjar para los ojos de sus entornos masculinos, al solicitante del carajo o demonio o lo que suscitara el pelambre canoso del vejete en la mente de ella, le dejó sólo un papelito donde garabateó con bolígrafo su nombre y el número de teléfono de la notaría. Todos los documentos originales que había traído él los metió ella en una carpeta medio roñosa en cuyas tapas ya figuraban varias direcciones tachadas o rayadas. Ahora el pobrecito era víctima de dos penocas, una del norte, otra del sur de España. (Esto, dicho de paso, confirmaba la sabihondez de un poeta chileno de que los cuatro puntos cardinales son tres, el Norte y el Sur.)

Lo que le pasó al viejito durante los próximos 15 meses en el laberinto de las turbas burocráticas del Reino español, pasa de castaño oscuro. Las pesadillas que sufrió y las pestes que profirió no caben en ningún cuero de vaca, asegún dicen los teutones. A las dos penocas se les afilió otra, doña Inmaculada Ramona Rodríguez y Fernández, notaria cincuentona, de labios tan finos como cínicos, de ojazos tan discretamente pintados como una cueva de ponzoñosísimas víboras. El viejito ni siquiera cobraba algo por sus sufrimientos, al contrario de los enanos o liliputienses que les sirven a los alemanes del sur para el deporte del “Zwergewerfen”. Consiste este jolgorio en tirarlos por sobre una pista de arena. Si volaban más de diez metros, cobraban unos mil dólares. Si se les rompía la crisma que fácilmente en los enanos es el doble de la norma humana, cobraban los descendientes. En este caso ni cobró él ni su prole, es decir la de su mujer. Por el contrario, él pagó tasas, tarifas, derechos y abultados honorarios, hasta conseguir una escritura con abundantes sellos, firmas y cintas como de irrevocable legalidad. Pero el documento engendrado en 16 meses de gestiones y gastos estaba preñado con un monstruo ibérico: contenía el error de indicar los metros cuadrados de la escritura anterior, ya que mientras duraban los trámites se corrieron administrativamente los lindes de los terrenitos, y así resultaba que ahora tenía unos 43 metros cuadrados más. Los trajines que esto significaría, los “Vuelva usted mañana”, los gastos para sellos o las frustraciones porque el resultado será un documento con otros errores … no irá a caber en otro cuero de vaca. ¡Y cómo lo gozarán las penocas!

Guay, ¡qué de guyas cantarás pobrecito, vejete del carajo, muñeco de trapo de aquellas que se han jurado fastidio eterno para los que tienen más de sesenta años y acudan a su despacho para solicitar un documento firmado por Ellas!

Texte und Zeichen
Beiwerke, Cuentos, Ensayos, Leseproben, Nachträge

Der gesäuberte Tango.
Geschlechterrollen in Tangotexten und in der argentinischen Literatur

Der hauptsächlich wegen seines Erzählbandes Tangos (1926) erinnerte Enrique González Tuñón setzte dem damals noch in weiten Kreisen verpönten Tango mit diesem Werk ein literarisches Denkmal. Wenn man allerdings sein Verständnis der Aussage des Tango mit dem Gehalt der von ihm kommentierten Tangotexte vergleicht, lassen sich diverse Verschiebungen feststellen. Die wichtigste könnte darin gesehen werden, dass das Konstrukt einer Männerwelt errichtet wird, das dem unerschrockenen Mut der einen sowohl den schlechten Charakter der anderen als auch die moralische Schwäche der Frauen gegenüberstellt. Diese auf das Bild einer kämpferischen Männlichkeit ausgerichteten Deutung des Tango, welche der Frau nur eine passive Rolle zumutet, lässt sich in weiten Teilen der argentinischen Literatur wieder erkennen.

Wenn wir das Gedicht eines argentinischen Schriftstellers lesen, der jeden Tag besser schreibt ~ wie man es von Carlos Gardel in musikalischen Dimensionen behauptet ~ wenn wir also eines der bekanntesten Gedichte von Jorge Luis Borges lesen, dessen Titel das Objekt unserer Forscherneugier bezeichnet, müssen wir annehmen, dass es sich beim Tango zuvörderst um eine Aktivität finsterer Subjekte aus den Vororten handelt, welche zur Realisierung ihrer Selbstbestimmung ein anständiges Messer besitzen müssen und wenig Hemmungen verspüren dürfen, dem Nächsten damit ein Leid zuzufügen.

Der Tango

Wo sind sie geblieben? fragt die Elegie
Derjenigen, die nicht mehr sind, als gäbe es
Eine Region, in der das Gestern das Heute
Sein könnte, das Jedoch und das Noch- immer.
Wo sind sie geblieben (wiederhole ich) die Halunken,
Die in staubfinsteren, ungepflasterten Gassen
Oder in gottverlassenen Ortschaften
Die Sekte der Messerhelden gründeten.

Wenn wir das Wortfeld „Stichwaffen“ in den 60 Elfsilblern der gesamten Komposition in Augenschein nehmen, finden wir unter anderem: „Messer“, „erstachen“, „Dolche“, „stolze Messerhelden“, „stiller Degen“ … Das zweite Wortfeld könnte man überschreiben mit „Tod und Verwandlung“. Dazu gehören „Elegie“, „Legende“, „Heldenepos“, „Fabel“, „letzte Glut“, „Ödland“, „andere Welt“, „dunkler Schatten“, „Vergessen“, „Asche“, „Staub“, „Jenseits“, „unheilvoller Tod“, „irreale Vergangenheit“, sowie mehrfaches „gestorben“. Das dritte Feld “Aggressivität “ kommt zum Ausdruck in Begriffen wie: „Verbrechergesindel“ („malevaje") oder „tapferes Gesindel“ („chusma valerosa“), „Kühnheit“, „Hass“, „harter Schatten“, „tötete seinen Bruder“ ... Im Endergebnis finden wir also ein ideologisches Konstrukt von Heroismus, Männlichkeit und Gewalttätigkeit, aber keine Spur von „Frauen mit nervöser Kruppe, ein klein Bisschen Schaum in den Axeln und mit allzu stark geölten Augen“, wie es in dem Prosagedicht Milonga von Oliverio Girondo aus dem Jahr 1921 heißt. Ebenso wenig ist es wahrscheinlich, dass wir im immensen Gesamtwerk von Borges einen Tunichtgut finden, der auf einer Chaiselongue ausgestreckt sich am Zigarettenrauch berauscht und eine „gewissenhafte und galante“ Geliebte erwartet, wie einer der ~ allerdings seltenen ~ Sittenstrolche im Tango (Fumando espero) schamlos preisgibt.

Gehen wir im Zusammenhang des ideologisch ausgerichteten Tangoverständnisses vom Borges-Poem ein paar Jahrzehnte zurück, bietet sich das Prosagedicht Tango aus dem frühavantgardistischen Band El cencerro de cristal („Die gläserne Viehglocke“) von Ricardo Güiraldes an. Der 1911 entstandene Text gestaltet ein Tangobild, das fast identisch ist mit dem von Borges, gut 40 Jahre später. Da sich die beiden Autoren in der Jugend ziemlich verbunden waren, mag durchaus auch ehrendes Andenken im Text des 15 Jahre jüngeren Borges mitschwingen.

Tango, bei dem jeder einzelne Ton gewichtig und wie mit Groll unter der Hand fällt, die dazu bestimmt ist, einen Messerknauf zu umfassen […]
Tanz, der die vom Getränk getrübten Gemüter mit erregtem Taumel füllt.
Hingegebene Frauen, unterwürfig wie gehorsame Tiere.
Verworrenes Lachen von Verführung und Schändung.
Bordellatem. Ambiente, das nach vulgärer Mestizin und Kerl stinkt, der kämpfend ins Schwitzen geriet.

Die jungen Damen der Clase media, die auf dem Piano um 1900 die Tangos von Mendizábal, Villoldo usw. üben und irgendwo auch tanzen, werden in dem Text von Güiraldes ausgeklammert, welcher als junger Großgrundbesitzer sich nicht all zu viel soziale Korrektheit angelegen sein lässt. Als Dokument ist der Text des nachgewiesenen Tangokenners Güiraldes relevant, da er im Unterschied zum Borges-Gedicht die Sexualität hervorhebt und diese als männliche Aggressivität spezifiziert. In dieser bordellnahen Tangowelt ist die Frau ein minderwertiges Wesen, das sich zu unterwerfen hat. Wir finden also hier ein einschlägiges Beispiel für das weite Feld der „erótica hispánica“, das Carmen Martín Gaite (1991) in der spanischsprachigen Literatur vergangener Jahrhunderte und der Gegenwart untersucht hat. Sie gelangte zu dem Ergebnis, dass sich die überwiegende Auffassung von sexueller Beziehung als „Kampf“ manifestiere, was sich bis in die linguistische Mikrostruktur niederschlage. In keinem der von ihr analysierten literarischen Zeugnisse „scheint eine wirkliche Aufmerksamkeit der Frau gegenüber hindurch als einem Subjekt, das der Liebe und der Ehrungen würdig ist, sondern [sie erscheint] als Objekt, als Münze, die in einem Spiel gewonnen wurde, als Stück, das man einfordert, als Festung, die einzunehmen ist“.

Da die aufstrebenden Handelsmetropolen Buenos Aires und Montevideo um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert eine bunte Menschenwelt aufweisen mit zumindest einem Drittel Bevölkerungsanteil von Einwanderern, lässt sich unschwer schließen, dass nur eine Minderheit von harten Männern und gehorsamen Frauen der sozialen Realität entsprechen, in der der Tango gedeiht. Die Mehrheit wird ihn für andere Zwecke nutzbar gemacht haben als für die Verwendung metallener Stichwaffen. Seine erstaunliche Ausbreitung bis hin nach Europa, die stilistische Vielfalt in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, die enorme Zunahme von Tangoorchestern, Komponisten, Sängern und besonders Sängerinnen lässt eine komplexere Realität vermuten als die zitierten Texte von Borges und Güiraldes offenbaren. Der Verdacht liegt nahe, dass sie eher ein ideologisches Wunschbild als ein wirklichkeitsnahes Abbild gestaltet haben. Ein Pressefoto von streikenden Modistinnen, 1919 in Buenos Aires, passt nicht in jenes Wunschbild unanfechtbarer männlicher Dominanz. Ebenso wenig lassen sich die etwa 500 bekannten Tangotexte auf den inhaltlichen Nenner der Messerhelden bringen, sondern grosso modo verweisen sie im Gegenteil auf alle die Facetten menschlichen Verhaltens, welche anderen Regeln oder Narrheiten folgen, darunter an erster Stelle die Probleme der Mann-Frau- Beziehungen, aber auch Situationen, in denen Frauen eine aktive oder dominante Rolle zukommt.

Das bedeutet sicher nicht, dass der Tango frauenemanzipatorische Intentionen beinhaltet. Das wäre ebenso eine Verfälschung wie seine Uminterpretation zum sozialen Protestsong. Es geht hier um die Erhellung einer Aussagevielfalt, die reduziert wurde zugunsten gewisser Stereotypen, welche das Bild der Tango-Aussage ~ weit über den Borges-Text hinaus ~ bis heute bestimmen sollen. Ich stütze mich dabei auf diverse Indizien wie etwa die Vielzahl populärer Sängerinnen in den 20er Jahren oder die graphische und motivische Vielfalt, die die Titelseiten der Tangopartituren bis etwa 1930 bieten, während danach fast nur noch das Konterfei des Sängers, der den Tango öffentlich zum ersten Mal vorgetragen hat, erscheint. Die umfangreiche Tango-Diskographie von Carlos Gardel bietet dabei die Grundlage für die Relevanz und Stichhaltigkeit der Argumentation.

Tangos von Enrique González Tuñón

Zur Begründung der Hypothese ideologischer Begradigungen ursprünglicher Vielfalt des Tango wende ich mich einem Dokument zu, welches die Umdeutung von der Komplexität zwischenmenschlicher Beziehungen zur Machodominanz belegt. Es handelt sich um das 1926 erschienene Buch Tangos von Enrique González Tuñón, der seither als „erster gebildeter Exeget unserer städtischen Musik“ gewürdigt wird. In erster Hinsicht bezeugt das Werk die Wahrnehmung des Phänomens Tango durch einen Schriftsteller, der nicht dem konservativen Lager der Tangogegner angehört. Eher gehört er in die Nähe der Avantgardisten um die Zeitschriften Proa und Martín Fierro. Von dieser Gruppierung wurde, wenn auch mit unterschiedlichen Akzenten und Interessen, dem Tango ein gewisses Wohlwollen entgegengebracht. González Tuñóns Buch wurde von Manuel Gleizer verlegt, dem engagiertesten Verleger damals aktueller argentinischer Literatur. Zwischen 1920 und 1935, als er bankrott ging, publizierte er in ansprechend aufgemachten Ausgaben mehrere Hunderte von Buchtiteln zumeist jüngerer Autoren, die auf irgend eine Weise in Opposition zum kulturellen Establishment standen, bis auch sie in dieses Lager hinüber glitten.

Das Buch Tangos besteht aus einem Prolog des damals populären Journalisten „Last Reason“, alias Carlos de la Púa (Karl von der Zinke) oder „el malevo Muñoz“ und aus 21 Erzählungen, deren Titel – mit vier Ausnahmen- auf gleichnamige Tangolieder verweisen. Das heißt, die Erzählungen geben sich aus als „glosas“, wie die Bezeichnung für die im damaligen Radio beliebten Tangokommentare lautete, wobei „glosa“ ohne Konnotation von Spott von der Real Academia Española als „Auslegung eines dunklen oder schwer verständlichen Textes“ definiert wird.

Im Folgenden werde ich einige dieser Erzählungen beleuchten, in denen sich sinnfällige Abweichungen gegenüber den jeweiligen Tangotexten wahrnehmen lassen, wobei ich mit Fug und Recht behaupte, dass die nicht behandelten Texte kaum unterschiedliche Nuancen aufweisen.

<El brujo> (Der Hexenmeister)

El brujo ist in dem Band die zweite Erzählung, aber die erste, deren Titel auf einen Tangotext verweist. Schon bei erster Lektüre bemerkt man, dass der Tango und die Erzählung kein thematisches Element gemein haben. Der Verdacht liegt nahe, dass der Tango durch die Erzählung entweder negiert oder neutralisierend umgedeutet wird, indem der Tangotitel benutzt, aber sein Inhalt verworfen wird. (Um die Terminologie der Untersuchung abzuklären, nenne ich den dargestellten Inhalt „Geschichte“. Für die eigentliche Erzählung verwende ich „narrativen Diskurs“ und für die organisierenden Instanzen oder erzählenden Stimmen belasse ich es bei Erzähler und Autor, auch wenn sich das alles narratologisch tüchtig verkomplizieren lässt. Für die einzelnen Erzählungen des Bandes benutze ich den spanischen Terminus „Cuento“.)

Die Geschichte des Cuento El brujo beinhaltet einen Eifersuchtsdoppelmord sowie einen Totschlag, mehr oder weniger aus Notwehr: Don Julián López, ein „ernster und respektabler“ Mann, der den Beinamen El Brujo, der Hexer, wegen „seines Mutes und seiner Kaltblütigkeit“ erhalten hatte, tötet mit einem einzigen Dolchstoß seine Lebensgefährtin sowie einen verräterischen Freund, als er sie beim Küssen erwischt. Die Unwahrscheinlichkeit, mit einem einzigen Messerstoß zwei Personen auf einmal zu töten, mögen sie sich auch noch so eng umschlungen halten, hat die Funktion, eine tadellos hygienische Szene zu suggerieren, anstelle der eher wahrscheinlichen Metzelei mit Blut und Geschrei. Nun war aus der Liebesbeziehung zwischen Julián López und der anonymen, jetzt ermordeten Lebensgefährtin eine Tochter hervorgegangen, María Rosario, die der Obhut einer älteren Frau übergeben wird, während es dem Vater gelingt, der Polizei zu entkommen. Die ihrem Vater gegenüber gehorsame und ehrerbietige Tochter verliebt sich in einen Jüngling, der schon verschiedenen Diebstähle und Überfälle begangen hat. Als der Vater von der Liebschaft erfährt, ordnet er an, dass sich der junge Mann vorstellt. Ihren sofort eskalierenden Konflikt lösen sie im Duell, bei dem der Jüngere getötet wird. Dieser hatte den Vater mit den Worten herausgefordert: "Brujo, ich werde dich zur Decke springen lassen wie einen Frosch“. Damit das Mädchen (oder der Leser) nicht allzu bekümmert sind, wird angegeben, dass der junge Übeltäter bereits eine Lebensgefährtin und ein Kind besaß.

Der gleich betitelte Tangotext stimmt nirgendwo mit der Geschichte des Cuento überein, in dem auch weder ein ironisches oder parodistisches Element erkennbar ist. Da keine Verurteilung des zumindest wegen dreifachen Totschlags zu belangenden Protagonisten vorgenommen wird, bleibt fast ausschließlich eine Apologie der Waffengewalt als Geschichtsessenz übrig, die man dann entweder auf die berühmte Rede des Don Quijote über den Vorrang der Waffen gegenüber den Geistestätigkeiten oder auf die Tradition der Gauchohelden wie Martín Fierro, Juan Moreira u. a. projizieren mag.

Im Tango taucht sofort eine Frau auf: "eine Liebeshexe, deren tagblinde Augen voller Feuer sind, das stärker ist als das der Sonne“. Das Porträt der hexenhaften „Tyrannin“, in der das Motiv der femme fatale aufleuchtet, erstreckt sich über die ersten vier der zehn Quartette. Danach verkehren sich ~ Homer lässt grüßen~ die Rollen, und der Hexer triumphiert über die Hexe wie einst Odysseus die Halbgöttin Circe bezwang. Was dem Cuento von González Tuñón fehlt, bietet der Tangotext von Mallarino E. Carrasquilla im Übermaß: Sexualität, Ehrgeiz, Tücke und Verstellungskunst als dominante Elemente einer Mann-Frau- Beziehung, bei der diesmal der Mann die Oberhand gewinnt:

Seither mochte die niederträchtige
Hexe nicht weiterhin mein Verhängnis sein,
und meine Hände spielten mit ihr
wie ein Kind mit einer gewöhnlichen Puppe.
Ihren Blick trübte ich mit dem Schleier
eines Gewebes von trügerischer Feinheit
und meine Zähne bissen in ihr duftendes
Fleisch mit gefräßiger Gestik.

Das „Fleisch“ einer Geliebten wird in den Cuentos von González Tuñón niemals als „duftend“ qualifiziert und niemand beißt expressis verbis „mit seinen Zähnen“ hinein. Noch weniger kommt bei ihm eine Frau vor, die als „Frucht“ das „sensible Fleisch“ ihres Liebhabers würdigt, obwohl der Begriff „churrasco“, gegrilltes Fleisch, als Kosewort in Argentinien nichts Beleidigendes hatte.

Die Diskrepanz zwischen der Hervorhebung der Wollust im Tangotext und dem im Cuento implizit verdeutlichten Verbot einer Liebesbeziehung, die nicht auf dauerhafte Bindung hinausläuft, ist offensichtlich. Für eheartige Beziehungen ist bei González Tuñón das folgende, zwar leicht belächelte, dennoch nirgends in Frage gestellte Programm vorgesehen: „Ein Häuschen haben, einen Garten und ein paar Hühner […] den täglichen Eintopf mit der bescheidenen besseren Hälfte essen, wenn sie es sein will und sich damit begnügt, an die Wonnen des Ehelebens zu glauben" (aus dem Cuento Viejo rincón),

<Entrá nomás> (Komm nur rein)

Der Text des Tangos Entrá nomás von Francisco Bastardi weist die folgende Figurenkonstellation auf: eine junge Mutter, die ihre Familie verlässt; ein verräterischer Freund, der „mal amigo“, der sie weder geheiratet hat noch für eine anständige Unterkunft sorgte, und ein Mann, der seinen Stolz für das Glück des gemeinsamen Sohnes opfert, wie in der letzten Strophe erklärt wird:

Komm nur rein, sei nicht schüchtern,
ist meine Rache doch schon fast gestillt,
da du dir mit deiner Sünde selbst
die Buße auferlegt hast.
Aber vom heutigen Tage an:
wenn ich dich in meinem Haus aufnehme,
wirst du die Mutter meines Sohnes sein,
aber meine Frau –niemals.

Im Cuento von González Tuñón werden die moralischen Unterschiede hervorgehoben. Dem integren, gutherzigen Mann der ebenso tapfer wie zärtlich ist, steht eine unreife Frau gegenüber, die sein Negativbild darstellt, eine „Wetterfahne“, von der ein Handlungszeuge in der Funktion der vox populi aussagt, sie sei eine „Göre mit dem Oberstübchen voller verrückter Flausen und verdiene eine tüchtige Tracht Prügel“, was allerdings in der traditionellen Pädagogik nichts Außergewöhnliches ist, wo „la letra con sangre entra“, also der Lernerfolg mit Blut erzielt wird. Hier geht es darum, die junge Angelina Mores zu lehren, „da ihr die Mutterschaft noch nicht die spielerische Sinnlichkeit erstickt hatte.“

Am Ende der Erzählungen stimmen Cuento und Tango scheinbar überein: der Frau wird der Fehltritt wegen des Sohnes verziehen. Dennoch kann man im Cuento üblere Konsequenzen erahnen, die sich in der verschleierten Drohung “wir Männer vergessen nie“ andeutet. Denn als der Mann annehmen musste, dass sie ein außereheliches Verhältnis hatte, zwingt er sie, mit ihm zur Müllhalde zu fahren:

Und jetzt geh zur Kutsche.
‒ Was machst du, Braulio!
‒ Dich wegbringen. Du verdienst es, dass ich dich in dieser Kutsche wegbringe, weil Du ein Müllprodukt bist. Steig auf!
‒ Lass mich, Braulio …
‒ Steig auf.
Im Müllwagen brachte er sie bis in die Nähe der Verbrennungshalde…

Im Tangotext wird der Protagonistin eine ähnliche, bedrohliche Erniedrigung erspart. Man kann Frauen somit nur den Ratschlag geben, sich niemals mit den Männern von González Tuñón einzulassen, sondern eher mit denen des Tango, obwohl diese auch keine Engel sein mögen.

Die Tangowelt von González Tuñón basiert auf zwei sich kreuzenden Oppositionen: wehrhafte Männlichkeit gegenüber verschlagener, opportunistischer Weiblichkeit sowie – auf der Männerebene ‒ der positive Typ des stoischen, tapferen, moralisch integren Malevo gegenüber dem negativen Typ des „mal amigo“. der allerdings näher bei der treulosen Weiblichkeit angesiedelt ist, von der er anscheinend auch – wahlverwandtschaftlich ‒ favorisiert wird. In den Cuentos fehlen kräftigere Nuancen und Zwischentöne, von emotionalen Abgründen, Ekstasen oder tragischer Verwirrung zu schweigen. Diese aber gibt es auch nicht in einem der berühmtesten Romane der Zeit, Güiraldes’ Don Segundo Sombra, dessen Protagonist charakterlich mit den positiven Helden von González Tuñón verwandt ist. Der „einsame und wartende Mann“ (El hombre que está solo y espera, 1931) der wenig später von Raúl Scalabrini Ortiz als Identifikationsmuster für den Argentinier konstruiert wird, erscheint wiederum als Abkömmling des Gaucho Segundo Sombra sowie der respektablen Malevos von González Tuñón.

(In der ursprünglichen Fassung werden 5 weitere Cuentos analysiert, welche irgendwann an dieser Stelle nachgeliefert werden können.)

Konklusionen

Wie ist die Tendenz zur Messerheldenepisierung und Sterilisierung des Tango in den Cuentos von Enrique González Tuñón zu erklären? Man kann diverse Vermutungen anstellen:

An erster Stelle mag die Absicht einer Nobilitierung der populären Kultur gegenüber dem kulturellen Establishment vorliegen, wobei eine generelle Säuberung der Sprache und Inhalte unabdingbar erschien. Das Modell für dieses Vorhaben könnte vielleicht durch die Rehabilitation der gauchesken Dichtung, im besonderen der Dichtung Martín Fierro geliefert worden sein, die 1915 von Leopoldo Lugones als argentinisches Nationalepos hoch interpretiert wurde. (Die „taitas“ oder „malevos“ González Tuñóns sind enge Verwandte des stereotypen gauchesken „güen criollo“, der zwar hin und wieder zum Messer greift, was aber eher durch seine verzweifelte soziale Situation als durch „entripaos polleriles“ erklärt wird.)

An zweiter Stelle lässt sich eine gewisse Misogynie nicht bestreiten, die in Spanien, Italien und folglich auch in Argentinien im sozialen Leben und der Kultur sichtbar war oder ist, mit ehrenhaften Ausnahmen. Ein Beispiel dafür wäre die Frauenverachtung des Futurismus Marinettis, einschließlich futuristischer und anderweitiger Sehnsüchte nach der Hygiene des Krieges um 1914. Und wirft man einen schnellen Blick auf die bekanntesten argentinischen Romane der 1920er Jahre wie Historia de arrabal von Manuel Gálvez, El juguete rabioso von Roberto Arlt oder Don Segundo Sombra von Güiraldes finden wir in ihrem Figurenarsenal keine einzige Frau, deren Individualität auch nur entfernt so ausgeprägt erscheint wie die einer Effie Briest oder der spanischen Heroinen in Romanen von Galdós, Alarcón oder Clarín im 19. Jahrhundert. Im „Weibervolk“ (hembraje) bei Güiraldes oder „la vida puerca“ (das säuische Leben) von Arlt findet sich keine einzige Pepita Jiménez, Fortunata, Jacinta oder Regenta. Allein „la coja“, die hinkende Prostituierte aus Arlts Los siete locos demonstriert Individualität.

An dritter Stelle wäre die Suche nach einer neuen Ästhetik zu nennen, sei es die einer Avantgarde oder nicht, die sich als Abkehr von vorherigen Hauptströmungen, insbesondere des Modernismo verstand. Diesem, vor allem in der Ausprägung, die er durch Rubén Darío erfahren hatte, sind sprachlich und inhaltlich viele Tangotexte noch bis in die 30er Jahre hinein verpflichtet. Das erotische Element, das viele Gedichte Daríos oder seiner uruguayischen Kollegin Delmira Agustini thematisieren, war vielleicht ein obsoleter Zielpunkt, mit dem man Berührungen vermeiden wollte. In diesem Rahmen ist auch die Suche der Avantgarde nach einem neuen ästhetischen Paradigma zu berücksichtigen, mit dem man das Paradigma der Malerei (nach Horaz) oder das der Musik (wie im Modernismo) überwinden konnte. Von einigen wurde damals der Film als Paradigma vorgeschlagen, in anderen Ländern waren es nationale Subkulturen wie es die kubanischen Dichter der „poesía negra“ oder des spanischen „neopopularismo“ der Generación del 27, etwa García Lorca, taten. In Argentinien sollte der avantgardistische Bezugspunkt der Tango sein, nachdem man ihn von den femmes fatales des 19. Jahrhunderts, vergnügungssüchtigen Schlawinern und lasziven Voyeurblicken gesäubert hatte.

Texte und Zeichen
Beiwerke, Cuentos, Ensayos, Leseproben, Nachträge

La purificación del tango: Tangos, por Enrique González Tuñón

A Enrique González Tuñón se lo recuerda principalmente por la colección de cuentos/glosas Tangos (1926) . Este libro lo convirtió en “el primer exegeta culto de nuestra música ciudadana“ (Francisco Herrera) . Al relacionarse su exégesis ficticia de los tangos comentados se destacan nítidas diferencias con las letras originales llegando casi a profundas tergiversaciones. En los cuentos se elabora una construcción ideológica que define el mundo tanguero desde la heroicidad masculina. Los varones, sufridos y derechos, por un lado frente a los traidores, sotretas o malos amigos, y frente a las mujeres moralmente tan débiles como esos. Sin embargo esta visión que concede a la mujer solamente un papel pasivo es la que domina una gran parte de la literatura argentina.

Planteamientos

Los fenómenos culturales, cuando se hacen objeto de investigación, se convierten en enigmas. Un sicólogo ya no intentaría definir el alma, y no hablemos de teología o filosofía. En cuanto al tango, parece que estamos en la vía de comprender su incomprensibilidad, mejor dicho, estamos vislumbrando que el único acceso verificable se halla en la dimensión pragmática, mientras la percepción de su "esencia", que algunos elegidos creen sentir, al fin de cuentas resulta ser subjetiva y dependiente de coyunturas internacionales con sus rebotes rioplatenses. Si leemos el poema de un escritor argentino que cada día escribe mejor, y cuyo título enuncia el objeto de marras, podemos aprehender que se trata, más que todo, de una actividad para cuyo ejercicio se necesitan un cabal cuchillo y las ganas tremendas de abrirle el pellejo al prójimo:

<El tango>
¿Dónde estarán? pregunta la elegía-
De quienes ya no son, como si hubiera
Una región en que el Ayer pudiera
Ser el Hoy, el Aún y el Todavía.
¿Dónde estará (repito) el malevaje
Que fundó en polvorientos callejones
De tierra o en perdidas poblaciones
La secta del cuchillo y del coraje.

Si hacemos un recuento semántico se destacan, en la composición completa, los tres campos: “Cuchillo”, “Muerte”, “Criminalidad” (expresados por aproximadamente cuarenta sememas). Es decir que en el poema borgeano encontramos un heroico entramado de virilidad y violencia, pero nada de: "Hembras con las ancas nerviosas, un poquitito de espuma en las axilas, y los ojos demasiado aceitados", como reza Oliverio Girondo en el poema , de 1921. Tampoco será probable que encontremos en las Obras completas de Jorge Luis Borges a un pelafustán que se embriaga con el humo del cigarillo, tendido en el sofá y esperando a una retozona compañera. Si nos remontamos ahora a "París, 1911", como indica la fecha al pie del poema <Tango> de El cencerro de cristal de Ricardo Güiraldes, tropezamos con una visión del tango casi idéntica a la de Borges, más de 40 años después:

Tango severo y triste.
Tango de amenaza.
Tango en que cada nota cae pesada y como a despecho, bajo la mano más bien destinada para abrazar un cabo de cuchillo.
[...]
Baile que pone vértigos de exaltación en los ánimos que enturbia la bebida.
[...]
Hembras entregadas, en sumisiones de bestia obediente.
Risa complicada de estupro.
Aliento de prostíbulo. Ambiente que hiede a china guaranga y a macho en sudor de lucha.
(Güiraldes 1962: 63)

Las muchachas de clase media que, hacia 1900, ensayan en el piano los tangos de moda supuestamente no se habrán identificado con bestias obedientes, lo que no quiera decir que las "chinas guarangas", degradadas por la visión de un señorito estanciero, no tengan tan buen parecer como aquella agraciada moza que ilustra, rebosante de salud y buen ánimo, la carátula del tango <La Morocha> por Ángel Villoldo. Lo que sí sugiere el poema de Güiraldes, al contrario del poema borgeano, es la sexualidad definida desde y por la agresividad masculina. En este mundo prostibulario y tanguero, la mujer es un objeto detestable, una bestia que debe someterse. Encontramos aquí, sin remilgos, lo que pertenece al vasto dominio de la erótica hispánica según las investigaciones de Carmen Martín Gaite (1991, 1994) quien tanto para la literatura de siglos pasados como de la actualidad debía comprobar que la versión predominante del amor sexual se presenta como "combate", hasta en la microestructura lingüística. En ninguno de los testimonios literarios, analizados por ella, "se trasluce una atención real hacia la mujer como sujeto digno de amor o de homenajes, sino como objeto, moneda ganada en el juego, pieza a cobrar, fortaleza a rendir." (Martín Gaite 1991: 223)

Sin concederle mucho crédito a un hipotético "tango de las hermanas" promulgado por José Sebastián Tallón (1964), presumo que, al lado de la vertiente del "tango macho", para bautizarlo de alguna manera y con el perdón de Celedonio Flores, existen o existían vertientes del tango donde asomaban otros ingredientes conformando una realidad más compleja, más divertida y con más participación activa de la mujer. Presumo además que estos ingredientes fueran, en parte, tergiversados o suprimidos. Basta consultar la inmensa discografía de Carlos Gardel frente al relativamente reducido número de diferentes tangos grabados por Julio Sosa, Edmundo Rivero, Roberto Goyeneche y otros. Basta mirar las portadas de las partituras de tangos hasta 1930, con su diversidad gráfica y anecdótica, frente a las partituras posteriores que casi siempre enseñan sólo la foto del buen mozo quien estrenara la pieza musical.

Los cuentos de Enrique González Tuñón

Enrique González Tuñón, tildado por su libro Tangos "el primer exegeta culto de nuestra música ciudadana" , ofrece con este libro de 1926 un testimonio que a primera vista documenta la percepción de un escritor de la época, que no se enrola en las huestes de los detractores del tango quienes o provienen de la izquierda como Barletta, o pertenecen al sector culturalmente hegemónico (Lugones, Groussac, Larreta, etc. ). Como su hermano Raúl, en aquellos años, forma parte del vanguardismo, alrededor de las revistas Martín Fierro y Proa, que asumía una posición positivamente interesada por el tango.

Tangos fue editado por Manuel Gleizer, quizás el editor más consagrado a la literatura argentina, quien publicó, en ediciones esmeradas, entre 1920 y 1935 algunos centenares de libros de escritores argentinos, pertenecientes a la vanguardia o, de otra manera, en oposición al establishment cultural. El libro consiste en un prólogo "Elogio del gotán por Carlos de la Púa y 21 cuentos cuyos títulos, con la excepción de cuatro, remiten a tangos- canción, es decir se presentan como glosas en el sentido de "explicación o comento de un texto obscuro o difícil de entender". Analizaremos a continuación algunos de estos cuentos en los cuales se vislumbran discrepancias intencionadas frente a las letras de tango a cuyo título remite el del cuento, dando fe de que los cuentos restantes ni se contradicen con los resultados obtenidos ni agregan matices importantes en uno u otro sentido.

<El brujo>

<El brujo> es el segundo cuento, pero el primero que aparece como basada en la letra de un tango. A primera lectura se nota que la letra del tango y el argumento del cuento no tienen ningún elemento temático en común, así que surge la sospecha de una especie de aniquilación o, con menos severidad, neutralización de este tango mediante la usurpación de su título y el desecho de su contenido. La historia (del cuento) combina los elementos de un hombre "serio y respetable" que mata de una única puñalada a su compañera y al amigo traicionero habiéndolos sorprendido al besarse : "suspendía [ella] un beso en los labios de ese amigo íntimo, protagonista de todas las traiciones" (26). La inverosimilitud de matar con una única puñalada - "le bastó un sólo [sic] entierro é faca pa vengar su honor" (26) - como se destaca en el cuento, a dos personas por más abrazadas que estén, tiene la función estética de sugerir una escena de higiénica perfección cuchillera, en lugar de la probable carnicería con mucha sangre, gritos, ensañamiento, más gritos, degüello, etc.

La relación entre"don Julián López" apodado "El Brujo" por su coraje y "sangre fría" (28), y aquella anónima compañera, ahora muerta, había dado el fruto de una niña de pocos meses, María Rosario. A esta la cuidará una mujer, ya mayor, mientras el padre consigue evitar las pesquisas de la policía. La niña, siempre sumisa y obediente a su padre, cuando llega a la adolescencia se enamora de un jovencito que ya cometiera diversos robos y hurtos. Cuando el padre lo sospecha ordena que el muchacho se presente. El conflicto entre los dos lo solucionan en el duelo quedándose muerto el jovencito quien le había desafiado al padre: "Brujo [...] te v'y a ser saltar p'arriba como un sapo..." (33, te voy a hacer saltar). Para que la muchacha o el lector no queden demasiado afligidos se informa de que el joven malevo ya tenía compañera e hijo. El texto del tango al cual remite el título, no tiene nada que ver con el argumento del cuento que no deja entrever ni una marca de ironía, ni una condena, aunque sea leve, del triple homicida "don" Julián López. Sospecho de que al autor le importaba que el tango se convirtiera en puro ejercicio de las armas, que es, según el casto don Quijote, el más noble de todos, para no recordar ciertas actividades a las cuales se dedican individuos de ambos sexos.

En el tango aparece "una bruja de amor [...] con sus ojos nictálopes llenos / de fuego más fuerte que el fuego del sol". El retrato de esta infernal "tirana" se extiende sobre las primeras cuatro (de diez) cuartetas decasilábicas. Después se invierten los papeles y el "brujo" triunfa sobre la bruja. Es decir la relación resulta homérica y Ulises llega a dominar a Circe. Lo que falta en el cuento de González Tuñón, rebosa en la letra de Mallarino E. Carrasquilla: una relación sexual entre dos campeones de esta disciplina, en la cual finalmente el macho, es verdad, que voy a hacer, vence a la hembra:

Desde entonces no supo la pérfida
seguir siendo mi bruja fatal,
y mis manos jugaron con ella
cual niño con una muñeca banal.
Su mirada velé con un velo
de una trama sutil y falaz
y mis dientes mordieron su carne
perfumada, con gesto voraz.

La carne en los cuentos de Enrique González Tuñón, nunca es calificada de "perfumada", y nadie la muerde expressis verbis "con sus dientes", menos aún hay mujer que considera "fruta" la "carne sensible" de su amante, tomando en cuenta de que llamarla a la querida "mi churrasco", en los países rioplatenses todavía no tiene nada de ofensivo.

Es notoria la discrepancia entre la voluptuosidad del tango y la prohibición de una relación sexual no sancionada por el intento serio de establecer un hogar, para el cual rige principalmente el siguiente programa: "Tener una casita, un jardín, un par de gallinas [...] comer el cotidiano pucherete con la humilde media costilla que lo quisiera y se contentara con creer en las delicias de la vida conyugal." (74, )

<Entrá nomás>

El texto del tango <Entrá nomás>, por F. Bastardi, ofrece la configuración de una joven madre que abandona a la familia, un "mal amigo" y un hombre que sacrifica su orgullo en aras de la felicidad del hijo, como se declara en la última estrofa:

Entrá nomás... no te achiques, si ya estoy casi vengado,
pues en tu mismo pecado, la penitencia llevás...
Pero de hoy en adelante, si en mi techo te cobijo,
serás la madre de un hijo, pero mi mujer... ¡jamás! (56)

En el cuento de González Tuñón se subrayan las discrepancias morales: frente al varón de buen corazón, íntegro, "taura" macho y tierno, se erige negativamente la hembra, mujer veleta, tildada por uno de los testigos de "pebeta con la pajarera alborotada que esige biaba pa' marchar derecha [...] ¡Merece que la fajen!" (62) Es decir que la azoten, o algo peor, lo cual en el mundo tradicional de la pedagogía, donde "la letra con sangre entra", no es nada irregular.

En el desenlace concuerdan tango y cuento: se le perdona a ella el desliz a causa del hijito. Sin embargo, se pueden percibir, en el cuento de González Tuñón, consecuencias para ella más siniestras cuando el protagonista afirma: "los hombres nunca olvidamos" (55). Y esta Angelina, "la pebeta con la pajarera alborotada", a quien la "maternidad no había logrado ahogar la juguetona sensualidad" (61 ) (lo cual - el anonadamiento de la sensualidad - parece ser, desde la visión del autor, la función normal de la convivencia amorosa) si vuelve al hogar de González Tuñón, debe temer algo peor de lo que este padre ideal ya había hecho con ella: la había tratado como basura. A poco más de nueve meses de haberle propuesto él:

¿Quiere que hagamos una cosa?.. ¿Quiere sentarse al lado de este hombre decente y atormentado pa compartir el mismo cacho de pan?... ¡Vamos!... Guarde sus lágrimas m'hijita [...] ( 60)

- la trata como a una esclava que no tiene derecho de oponerse, y la obliga a sentarse en el carro de la basura conduciéndola "hasta las inmediaciones de la Quema" (63). Como no hay tal humillación de la querida infiel en la letra del tango, sólo cabe la advertencia a las mujeres, de no ligarse en su vida jamás a uno de los varones de González Tuñón, sino, si no hay remedio, a los del tango aunque no sean ángeles tampoco.

(Se suprimen aquí cuatro cuentos analizados en mi estudio)

Conclusiones

¿Cómo se explica esta tendencia en los cuentos de Enrique González Tuñón, a la purificación / esterilización del tango mediante diferentes estratagemas narrativas que, grosso modo, se reducen a dos: resaltar el elemento de la violencia de los puñales y hacer desaparecer la autonomía personal y existencial de la mujer? Pueden articularse varias suposiciones:

En primer lugar, habría un intento de reivindicación de la cultura popular, previa limpieza general, frente al establecimiento cultural. El modelo sería quizás la reivindicación de la poesía gauchesca, sobre todo, del Martín Fierro por Leopoldo Lugones, unos pocos años antes. Es evidente que los "taitas" de González Tuñón evoquen la imagen del "güen criollo" que a veces mata por rencor o desesperación, mientras los "gringos" tienen papeles menos heroicos.

En segundo lugar, no puede dudarse de cierta misoginia, con honrosas excepciones, en España, Italia y, consecuentemente, Argentina, fuera de los ingredientes autóctonos. Podemos alegar al respecto la misoginia programática en el primer manifiesto de Marinetti, fuera de las añoranzas de futuristas y otros por la higiene bélica que excluía contundentemente a la mujer. Y si echamos un vistazo sobre algunas de las novelas más importantes de los años 1920 en Argentina, Historia de arrabal de Manuel Gálvez, Don Segundo Sombra de Ricardo Güiraldes o El juguete rabioso de Roberto Arlt no encontramos ni una mujer que se asemeje ni siquiera a Pepita Jiménez. El "hembraje" de Güiraldes o "la vida puerca" de Arlt no cuentan con individuos femeninos (Reichardt 1979), con la relativa excepción de "la Coja" arltiana de Los siete locos.

En tercer lugar, debe apreciarse la búsqueda por una nueva estética, "vanguardista" o no, que se definiera en oposición a las escuelas anteriores, especialmente del modernismo, encarnado por Rubén Darío. La sensualidad que trasuntan varias de sus poesías y de alguna seguidora suya como Delmira Agustini, quizás era un blanco que debía aniquilarse, por lo menos en el sentido de borrar contactos. Dentro de esta problemática hay que considerar también la búsqueda vanguardista por un nuevo paradigma estético que superara el de la pintura (según Horacio) o de la música (según Darío y otros). Así que González Tuñón propusiera, valientemente, el paradigma de la actual cultura popular de su país (a semejanza de la poesía negra que surge también alrededor de la fecha de 1926, o del neopopularismo español de algunos de los poetas de la "Generación del 27"), y que no era el folklore periclitado del interior del país, sino el tango, claro, sometido a ciertos retoques, ya que para tal empresa había que liberar al héroe de los nefastos abrazos de las Ónfales, Deidameias, Circes, Areúsas, Cojas y otras.

Como última acotación: puede interpretarse la actitud de Enrique González Tuñón como ejemplo de elaboración de un "mito cotidiano". Así que Tangos encaja con precisión en la denuncia, por Roland Barthes (1957), de los mecanismos del "mito cotidiano" como "palabra hurtada". Para no abundar: Barthes supone la sustitución del signo primario percibido y perceptible en sus cualidades de significante y significado, por el signo secundario elevado a "concepto". Este resulta ser un sentido generalizado, funcional y tendencioso (sugiriendo la índole natural en la intencionalidad histórica, la eternidad en lo casual ) habiéndose apartado de los elementos concretos del primer signo. De tal modo que las mujeres brujas, reinas del malevaje y minas libremente libidinosas ya sólo pertenecen al suprimido signo primario, mientras el aspecto épico-heroico prevalece en el "concepto", lo cual evidencia el ejercicio constante del arma blanca, exacerbado en el poema de Borges, vulgarizado, previamente, en la olla podrida de los cuentos de González Tuñón, con sus garbanzos de la erótica hispánica, la morcilla del taura macho, la panceta de las jovencitas de quince abriles y la guindilla del "mal amigo".

Texte und Zeichen
Beiwerke, Cuentos, Ensayos, Leseproben, Nachträge

Leseprobe aus Zaunkönigs Argentinien

Das nächste Politspektakel, Peróns Rückkehr am 20. Juni, wollte sich Zaunkönig nicht entgehen lassen. Beatriz, die für die „peronachos“ nur Verachtung übrig hatte, entschied sich überraschend, ihn zu begleiten. Vom Bahnhof Retiro fuhren sie in einem der mit euphorischen Jugendlichen angefüllten Busse, die ihnen höflich Sitzplätze räumten, bis auf etwa drei Kilometer an das Versammlungszentrum bei dem Flughafen Ezeiza heran. Aus allen Teilen Argentiniens waren schon am Vortag alte und junge Anhänger angereist und hatten in einem riesigen Gelände auf Landesart mit Wein, Grillfleisch und Gesang, zumeist der Perón-Hymne, vorgefeiert. Die Windstille an diesem wolkenlosen Tag ließ die blauweißen Fahnen schlaff herunterhängen, auffällig große Taubenschwärme flogen orientierungslos umher, weithin war das dumpfe Getrommel der Bombos zu hören, auf riesigen Transparenten, in die wegen der Windstöße runde Löcher geschnitten waren, wurde „mi general“ nicht nur von den Partei-Organisationen, sondern auch von Barrios oder Nachbarschaftsverbänden willkommen geheißen. Insgesamt sollen drei Millionen Personen zusammengeströmt sein, auf jeden Fall hatte Zaunkönig nie eine derart große Menschenansammlung gesehen. Durch die Gruppen der Wartenden, oft ganze Familien mit plärrenden Kindern, schlängelten sie sich langsam durch bis in die Nähe der Tribüne, wo sich schon die Musiker des nationalen Symphonieorchesters eingefunden hatten. Sie setzten sich unter einen der wenigen, schütteren Bäume. Ein schmaler Pfad führte an ihnen vorbei, auf dem sich zahlreiche Jungperonisten aus La Plata, die Mehrzahl von ihnen mit roten Ponchos, in Richtung auf die gut 100 Meter entfernte Tribüne zubewegten und sich bei Zaunkönig entschuldigten, weil er seine Beine anwinkeln musste. Auf einmal ertönten Schusssalven und mit entsetztem Kreischen, Angstgeheul und Flüchen erhoben sich Tausende von Personen in der nächsten Umgebung, rannten, warfen sich auf die Erde und stürmten weiter in Richtung auf einen schutzbietenden Waldstreifen, aber viele Personen blieben mit großen roten Flecken auf den weißen Hemden liegen. Da hielten es auch die beiden für ratsam, sich aus der Nähe der Tribüne, von der die Schüsse kamen, zu verdrücken, aber ohne Eile, denn die stolze Beatriz wollte sich nicht wie ein aufgescheuchtes Huhn in Sicherheit bringen. Am Waldrand standen in einer lockeren Reihe ein Dutzend Jugendliche der CGT mit gezückten Pistolen und schrien den anbrandenden Menschen zu, wieder auf den Platz zurückzukehren, was diese auch mit panischem Geheul befolgten. Jetzt bewunderte er die wie immer geschmackvoll gekleidete Dame, die an seinem Arm ruhig an den jungen Pistoleros vorbeistolzierte mit einem verächtlich gezischten: „lasst uns durch, mocosos“, und die Rotznasen senkten tatsächlich die Pistolen. Da auf dem gesamten Gelände immer mehr Schüsse zu hören waren, schlugen sie einen großen Bogen, wobei er sie manchmal über Sumpfstellen und Rinnsale tragen musste, und trotz einiger Blasen froh war, die kräftigen Borceguíes anzuhaben. Allmählich verbreitete sich über die noch nicht durch Schüsse zerstörten Lautsprecher die Nachricht, dass Perón auf einem anderen Flughafen angekommen sei. Nun drängten wie geschlagene Heerhaufen die Massen zurück. Es waren prächtig pathetische Gemälde unter dem bunten Abendhimmel, wie mit geknickten Transparentstangen und eingerollten Fahnen die Millionen durch Sümpfe, dann auf überfüllten Straßen stumm und traurig davon schwankten, aber auch genügend zurückblieben, die wieder an rauchenden Lagerfeuern ihre Chorizos grillten, da noch Veda herrschte, und sich damit abgefunden hatten, bis zum nächsten Morgen auf eine Transportmöglichkeit warten zu müssen. Obwohl Beatriz ihre Aversion der sich untereinander umbringenden „peronachos“ bestätigt sah, taten ihr all die enttäuschten Menschen leid, von denen viele seit 18 Jahren die Rückkehr Peróns herbeisehnten. Froh war sie, dass sie ihren Kindern verboten hatte, nach Ezeiza zu fahren. Stundenlang mussten sie noch, verliebt eingehakt, bis zum nächsten Linienbus wandern.

Am folgenden Tag erfuhr er von den Hunderten von Verletzten und einer unbekannten Anzahl von Toten, man sprach zunächst von über 200, welche die Schießerei zwischen Befürwortern der Patria Socialista und der Parteirechten kosteten. Die Musiker des Symphonieorchesters hatten hinter ihren Bassgeigen und sonstigen Instrumenten prekäre Deckung gefunden, wie ein zeitlebens aufbewahrtes farbenfreudiges Foto der Zeitschrift Gente belegt. Zur Tanzstunde am Nachmittag erschien Beatriz geputzt und beschwingt, so dass keiner ihr einen beschwerlichen Fußmarsch von 30 Kilometern, dazu noch im Kugelhagel der peronistischen Flügelkämpfe, angesehen hätte. In Zaunkönigs Armen schlängelte sich bald der alte Ziegenbock Dopazo, und auf dessen Knien, mit niedergeschlagenen Augen, die nun innig Begehrte, die dieses Mal und folgende einen kompakteren Büstenhalter trug.

Texte und Zeichen
Beiwerke, Cuentos, Ensayos, Leseproben, Nachträge

Fallensteller Borges: Form und Sinn der Erzählung vom Aleph

(Die Erzählungen von Jorge Luis Borges gelten weithin als autonome, von der sozialen oder persönlichen Erlebniswelt des Autors abgehobene Schöpfungen, wobei allerdings nicht sein mehrere Tausend Seiten umfassendes Gesamtwerk betrachtet wird, sondern in der Regel und auch in der internationalen Forschung nur ein knappes Dutzend Erzählungen und gelegentlich noch ein paar Gedichte. Eine seiner berühmtesten Erzählungen ist El Aleph, die der 1949 erschienenen Sammlung den Titel gibt. Hervorgehoben wurde bisher ausschließlich ihr transzendental theologischer Problemgehalt der die metaliterarische Auseinandersetzung von schlechter Dichtung und parodistischer Aufhebung. Im vorliegenden Essay vertrete ich die These, dass Borges seinen Lesern den erhabenen Inhalt vorgaukelt, um seine umfassendere und persönlich sehr konkrete Wahrnehmung vom „Punkt im Raum, der alle Punkte enthält“ darzustellen.)

El Aleph kann als eine seiner persönlichsten Erzählungen gelten. Dass sie zugleich eine sarkastische Entlarvung der kritiklosen Kniefälligkeit vor dem Symbol Borges darstellt, scheint nicht wahrgenommen zu werden. Eine empörte, manchmal gehässige Verurteilung Daneris, des fiktionalen Widersachers des Icherzählers „Borges“, ist mit wenigen Ausnahmen in der gesamten Forschung, soweit sie noch überschaubar ist, anzutreffen. Auch die Studenten eines Seminars meinten ausnahmslos, dass es sich bei jenem um eine negative, lächerliche Figur handele. Besonders die in dem Text wiedergegebenen Alexandrinerstrophen empfanden sie als indiskutabel schlecht, hochgestochen, bildungsbeladen und aufgeblasen wie deren Verfasser Carlos Argentino Daneri, den schon der Name ridikulisiere. Das beflügelte Zaunkönigs schon lange gehegten Verdacht, der reale Borges habe mittels eines fiktiven „Borges“ dem Leser eine geschickt getarnte Falle gestellt, in die nicht nur unbedarfte Hispanistikstudenten, sondern auch ausgewiesene Borgesspezialisten hineingestolpert sind.

Um die an anderer Stelle zitiergenau und weitschweifig geführte Argumentation abzukürzen, seien hier nur die wichtigsten Punkte genannt, welche die Figur Daneri partiell mit der Biographie und Kunstauffassung des realen Borges übereinstimmen lassen. Da zudem der fiktive „Borges“ mit so vielen negativen Charaktermerkmalen ~ Rachsucht, Kleinmut, Ängstlichkeit, Angepasstsein, Pedanterie, Realitätsferne ~ ausgestattet ist, müssen seine negativen Aussagen über den Kontrahenten, die sich die meisten Leser zu eigen machen, zumindest relativiert, wenn nicht ins Positive gewendet werden. So mokiert sich der Erzähler darüber, dass Daneri einen subalternen Posten in einer Vorortbibliothek bekleide, im ironischen Einvernehmen mit den am Nasenring geführten Lesern, die so etwas als lächerlich empfinden mögen; nur war der reale Borges um 1937, dem Hauptzeitpunkt der Handlung, subalterner Angestellter in der öffentlichen Bibliothek eines südlichen Vororts. Was die Kunstauffassung Daneris anbelangt, sprechen Arbeitsdisziplin (nicht das mondäne Nachtleben mit seiner Kusine Beatriz zu teilen), „kontinuierliche, leidenschaftliche und wandlungsfähige Geistestätigkeit“ sowie enzyklopädische Prätensionen ~ für die Übereinstimmung mit dem realen Autor. Schließlich finden sich ähnliche Alexandriner, wie die des geschmähten Daneri in Borges´ Gedichtband El otro, el mismo (1964), wobei die Wahl dieses Versmaßes auf das Vorbild Leopoldo Lugones verweist, und für den realen Borges kein Anlass bestand, den von ihm verehrten Dichter zu parodieren.

Die jung verstorbene Beatriz, einst unerreichbares Liebesobjekt für „Borges“, hingegen in äußerster Intimität genossene Partnerin für Daneri, verbindet die beiden Männer auf gegensätzlichen Gefühlsebenen: Eifersucht und Neid bei dem einen, Verachtung bei dem anderen, mit den entsprechenden Konsequenzen, dass der eine seine wahren Gefühle verhehlen muss, während der andere durch Gönnerhaftigkeit seiner Verachtung noch verletzenderen Ausdruck verleihen kann, was die ständige Erniedrigung, die „Borges“ durch Beatriz erdulden musste, über ihren Tod hinaus verlängert. Höhepunkt der Erniedrigung ist der ihm einmal gewährte Anblick eines „Aleph“, welcher sich im Keller von Daneris Wohnhaus befindet. Anlass ist der drohende Abriss des alten Hauses durch die Eigentümer und die Angst, den in der Kindheit entdeckten „Punkt im Raum, der alle Punkte enthält“ zu verlieren. Die besondere Attraktion für „Borges“ ist die Verheißung, einen „Dialog mit allen Bildnissen von Beatriz führen“ zu können. Dieses komplette Bildnis der einstigen Geliebten wird eingebettet in ein Sammelsurium von Labyrinthen, Spiegeln, einer englischen Erstausgabe von Plinius, einem Schaufenster in Mirzapur etcetera. Eindeutig im emotionalen Zentrum der chaotischen Inventur finden sich „obszöne, unglaubliche, präzise Briefe, welche Beatriz an Carlos Argentino gerichtet hatte“. Dieser empfängt ihn zum Schluss der Show, perspektivisch überhöht, auf der obersten Stufe der in den Keller hinabführenden Treppe, so dass er nur dessen Schuhe sieht, mit der üblichen spöttischen Jovialität dem abgewiesenen Galan seiner Kusine gegenüber: „Wohl aus allen Wolken gefallen beim ungebetenen Herumschnüffeln... Was für ein formidables Observatorium, nicht wahr, Borges!“ Um bei dessen vorgetäuschter Indifferenz noch hinzuzufügen: „Hast du auch alles gut gesehen, in Farbe?“

Im gesamten Handlungsverlauf der doppelbödigen Erzählung fallen die zwei männlichen Hauptpersonen als fiktionale Opponenten in der Realität des Autors zusammen. Die Erinnerung an Beatriz ~ ein Name, der absichtsvoll Dantes irreale und idealisierte Beatriz Portinari evoziert ~ bildet den Scheitelpunkt eines erotischen Dreiecks, demgegenüber das Thema der literarischen Anerkennung sowie sonstige Motive nachgeordnetes Rankenwerk bleiben. Welche Bedeutung Beatriz immer noch für den Erzähler besitzt, geht aus der folgenden Szene hervor: Kurz bevor er den Aleph zu sehen bekommt, betrachtet er, vermeintlich unbeobachtet, ihr in Daneris Wohnzimmer hängendes Porträt. In einem Zustand „verzweifelter Zärtlichkeit“ spricht er es an: „Beatriz, Beatriz Elena, Beatriz Elena Viterbo, geliebte Beatriz, für immer verlorene Beatriz, ich bin es, ich bin Borges.“ Es handelt sich um die repetitive Erotolalie vor oder beim Liebesakt, die Verbalisierung einer physiologischen Ekstase. Der Schluss der Aleph-Vision steigert sich dann zu einem Höhepunkt, in welchem auch die bekannte animalische Traurigkeit post coitum angedeutet wird: „Ich sah im Aleph die Erde, und in der Erde wieder den Aleph und im Aleph die Erde, sah mein Gesicht und meine Eingeweide, sah dein Gesicht und fühlte Schwindel und weinte.“

Was aber bedeutet auf textlicher Ebene der merkwürdig schillernde Aleph, dieses von „Borges“ erblickte, „geheime und vermutete Objekt, dessen Namen die Menschen usurpieren“, von dem zunächst die Größe seines Durchmessers angegeben wird: „dos o tres centímetros“. Im Zusammenhang mit dem Thema Erotik wäre nicht von der Hand zu weisen, dass es sich um das weibliche Geschlecht, also den Scheideneingang handelt. Zugleich umfasst weibliches Geschlecht, sexo femenino, in semantischer Ambivalenz die weibliche Hälfte der Menschheit. Diese ambivalente Verwendung eines Begriffs unterstreicht der Text: „ein Perser, wenn er von einem Vogel spricht, bezeichnet irgendwie alle Vögel“. Auf die sicher für manche Borgesverehrer reichlich gewagte Sinngebung verweisen zusätzlich zur Personenkonstellation einige Indizien. So wird im ersten der zwei dem Text vorangestellten Epigraphen aus dem Hamlet zitiert: „O God, I could be bounded in a nut- shell“. Dabei entspricht die Größe der „nutshell“, setzt man eine durchschnittliche Walnuss voraus, jenen zwei bis drei Zentimetern des Aleph-Durchmessers, mit der besonders für Argentinier wahrnehmbaren Pikanterie, dass „shell“ auch „Muschel“, also „concha“ bezeichnet, was keiner weiteren Erörterung bedarf. Nicht genug damit, lässt sich an einer weiteren Stelle die spezifische Farbgebung des Objekts erkennen, wenn dessen Beschreibung als “pequeña esfera tornasolada“ präzisiert wird, wobei „tornasolado“ sowohl „schillernd“ bedeutet als auch, laut Diccionario de la Real Academia Española einen bläulich violetten Farbstoff (Lackmus), der durch die Fermentation von Flechten und anderen Pflanzen entsteht und sich bei der Reaktion auf Säuren in die Farbe Rot verändert.

Auch wenn mit dieser Erklärung ein Schlüssel ~ nicht der einzige, nicht der unwichtigste ~ zum Verständnis der Erzählung geliefert wird, bleibt rätselhaft, warum die Maskerade eines Alter Ego Daneri inszeniert wird, abgesehen vom burlesken Spiel mit einer nach babylonisch- kabbalistischen Labyrinthen lechzenden Leserschaft. Möglicherweise war es Borges nur in der kunstvollen Verpackung dieser Erzählung möglich, eine schmerzliche persönliche Erfahrung darzustellen, oder, wie er verschiedentlich äußerte, Literatur und Leben, „Borges y yo“, den Autor Borges und den das Leben Erlebenden zusammenzuführen. Mit der Kontrastfolie eines Daneri ~ dem die „deliziöse“ Beatriz sowie der Aleph bzw. ihr Aleph seit früher Jugend zur Verfügung standen ~ konnte die unerfüllte Sehnsucht mit präzis geschätztem Detail zum Ausdruck gebracht werden.

Texte und Zeichen
Beiwerke, Cuentos, Ensayos, Leseproben, Nachträge

Borges tramposo: estrategias narrativas en el cuento "El Aleph".

Prolegómeno

El escarnio casi unísono de los treinta estudiantes al comentar el personaje de Carlos Argentino Daneri, en un curso universitario sobre la obra de Jorge Luis Borges, al profe, que era yo, le parecía problemático. ¿Tenían, acaso, estos sonrosados jóvenes un instinto cultural tan certero como para aborrecer sin miramientos a este personaje? ¿Tenían, además, estos jóvenes normalmente muy reacios a la poesía lírica una percepción tan afinada de los valores estéticos de un par de estrofas citadas en el texto, para poder declararlas rotundamente de malas? Se me ocurrió que podían haber caído en una trampa astutamente tendida por el autor. Quise convencerlos de mi opinión, pero como podían remitirse a tantos críticos borgeanos de renombre no lo conseguí. Intento hacerlo ahora por escrito, y a lo mejor, si lo leen en letras de molde ... Es evidente que este Daneri no suscite simpatías. Para muchos críticos de ambos sexos, es un obscuro objeto de odio. Sumariamente varios lo aplastan tildándolo de poeta "inculto" , "vulgar", "trivial", "sanchopancesco", “banausisch”. Con inquina, casi ensañamiento, lo enjuician otros. En este coro de voces nada benévolas se incorporan casi todos los críticos. Hasta el conspicuo Jaime Alazraki no percibe ningún rasgo positivo en el comportamiento o la intelectualidad de Daneri, verdaderamente un poeta maldito por los investigadores borgeanos que van remarcando, al soslayo o despotricando, los siguientes defectos: ridiculez, fanfarronadas, esnobismo, falta del buen gusto y comportamiento, fatuidad, etc. Una tal Rosa Pellicer (1986: 129) remarca a: Borges por medio del humor, centrado en este personaje absurdo y en su absurdo propósito, va llevando poco a poco al lector a lo fantástico.

Los artificios

Antes de preguntar por las causas de los desprecios o rabietas citados débase aclarar: ¿quién da fe de la mala substancia del personaje de marras? y ¿de qué laya (jaez se reserva para otra ocasión) es el testigo, es decir, el narrador (por lo demás no solamente intra- y homodiegético, sino autenticado por el apellido "Borges")? Con respecto al nivel de la historia, es decir al argumento del cuento, hay una fehaciente opinión de la persona a quien Borges le dedicó este cuento: Estela Canto. Ella opina del personaje- narrador "Borges": Pues «El Aleph» es también el relato de una venganza, mezquina y pueril, como suelen ser las venganzas. Borges se venga de Carlos Argentino Daneri haciéndole componer unos versos ridículos , viendo el aleph y diciéndole que no lo ha visto. (1989: 211s. ) Fuera de las calificaciones de "vengativo", "mezquino", "pueril", dejan inferirse otras, igualmente negativas, de las actitudes y opiniones del narrador:

  1. mi vana devoción la había exasperado [a Beatriz]
  2. Yo solía llegar a las siete y cuarto y quedarme unos veinticinco minutos.
  3. en 1934, aparecí, ya dadas las ocho, con un alfajor santafecino; con toda naturalidad me quedé a comer.
  4. El treinta de abril de 1941 me permití agregar al alfajor una botella de coñac del país.
  5. Le rogué que me leyera un pasaje, aunque fuera breve.
  6. Agregó [ Daneri] que Beatriz siempre se había distraído con Álvaro [Melián Lafinur]. Asentí. Profusamente asentí.
  7. Acepté con más resignación que entusiasmo.
  8. El nombre de Zunni me impresionó; su bufete , en Caseros y Tacuarí, es de una seriedad proverbial.
  9. La locura de Carlos Argentino me colmó de maligna felicidad; íntimamente siempre nos habíamos detestado.
  10. En ese instante concebí mi venganza. Benévolo, manifestadamente apiadado, nervioso, evasivo, agradecí a Carlos Argentino Daneri la hospitalidad de su sótano.
  11. Hace ya mucho tiempo que no consigo ver a Daneri; los diarios dicen que pronto nos dará otro volumen.

Mientras 9 y 10 confirman el enjuiciamiento del narrador por Estela Cano, los demás puntos agregan otros rasgos negativos: la hipocresía (5, 6, 7,11 ), la mezquindad (3, 4: traer un alfajor santafecino y no una cajita de estas golosinas de confitería porteña, además una botella de coñac de país, es decir un desprestigiado producto de la "industria nacional" argentina puede significar, es verdad, también cierto criollismo exacerbado, pero apenas generosidad), la meticulosidad (2), la obsecuencia social ( 8,11 ) , el comportamiento inhibido, torpe (1, 4, 6). Además puede agregarse su cobardía, al temer que Daneri lo mate, o su decepción al notar que a éste no le parece importar que Melián Lafinur prologue o no su libro. En estos dos puntos el narrador mismo revela su limitación cognitiva ( o su incapacidad psicológica) ya que el otro ni delira, ni mata a nadie, y tampoco prorrumpe en "coléricas quejas", simple e inteligentemente parece que se olvidaba del asunto. Aquí como en el discurso completo, Daneri manifiesta un desprecio más o menos justificado hacia el personaje "Borges", que recuerda el comportamiento de Beatriz frente a su desgarbado admirador. Su "voz aborrecida y jovial" que arranca al narrador del momento más emocional de su incursión en el "inconcebible universo" del Aleph expresa la distancia que hay entre los dos. Daneri, sobre todo, hace hincapié en el aspecto de la envidia como uno de los rasgos negativos más destacados del protagonista-narrador, como ya en el caso de calibrar la fama de Paul Fort, de las propias "audacias" y, finalmente, en la reacción del narrador al obtener Daneri el "Segundo Premio Nacional de Literatura" : «Recibí tu apenada congratulación», me escribió [Daneri]. »Bufas, mi lamentable amigo, de envidia [...]

Por más miserable que se auto-revele el narrador, se le escapan algunas calificaciones favorables de Daneri que no serían contrarrestadas por el argumento:

  1. es rosado, considerable, canoso, de rasgos finos
  2. aprovechaba [...] las noches y las fiestas para no salir de su casa
  3. Su actividad mental es continua, apasionada , versátil [...]
  4. Tiene (como Beatriz) grandes y afiladas manos hermosas.
  5. un poema en el que trabajaba hacía muchos años, sin réclame [sic], sin bullanga ensordecedora [...]
  6. En su escritura habían colaborado la aplicación, la resignación y el azar [...]
  7. La dicción oral de Daneri era extravagante.

Es cierto que no son - y no pueden ser, por cuestiones de verosimilitud - abundantes las calificaciones positivas del antagonista, y sin embargo conforman la imagen de un creador auténtico, frente, supuestamente, al clisé del «genio» en cuya escritura podrían colaborar, por lógica negación, la no- aplicación ( es decir la "desidia" del narrador,), la esperanza optimista y, finalmente, la seguridad de acertar, como la profesa el narrador al quejarse de que "increíblemente, mi obra Los naipes del tahur no logró un solo voto" . Frente a esta sospechosa seguridad o esta falta de escepticismo, se erige un poeta cuya "actividad mental es continua, apasionada, versátil" , cuya "dicción oral" es "extravagante", es decir original, interesante, divertida, etc. Finalmente, para colmo, queda el inmenso privilegio intelectual de disponer desde la niñez sobre el Aleph, lo cual significa, según la lógica de la ficción, la constante y fundamentada superioridad de Daneri.

Las coincidencias tramposas entre Daneri y el autor real

De todos modos, existen más contactos concretos entre Daneri y Jorge Luis Borges, el autor real, que entre éste y su figura ficticia "Borges". Un indicio de las coincidencias se evidencia en la presentación del personaje Daneri: Ejerce no sé qué cargo subalterno en una biblioteca ilegible de los arrabales del Sur. Más adelante se menciona una Biblioteca Juan Crisóstomo Lafinur. Coinciden no solamente la actividad profesional de Daneri con la de Borges, individuo real , también en un cargo subalterno (de primer asistente, luego tercer oficial ) en la Biblioteca Pública Municipal "Miguel Cané", sino también las fechas alrededor de 1937, cuando Borges consigue el cargo, y 1943, fecha de la Posdata del cuento. Más importante que este indicio biográfico resultan ser las coincidencias artísticas, tanto en la teoría como en la práctica. Hemos hablado ya del enciclopedismo de Daneri, reprochado por el narrador "Borges". Pero al Borges real se le reprochó en 1942 en la importante revista Nosotros "la jactanciosa erudición recóndita", fuera de otras censuras que podrían ser las de “Borges” a Daneri, en cuyo estilo catamos la seca e irónica parquedad, los bimembres y trimembres de Quevedo o Gracián, ambos autoridades estilísticas para el autor real.

Es evidente que Borges juega burlonamente con el lector, es decir con ciertos automatismos - ¿o reflejos condicionados? - de la lectura, como por ejemplo la identificación con un narrador personal que además tiene el nombre del autor. Esto es el principal mecanismo de una «trampa» para cuya definición ofrece el Diccionario de la RAE las siguientes acepciones: Artificio para cazar, compuesto ordinariamente de una excavación y una tabla que la cubre y puede hundirse al ponerse encima el animal; ardid para burlar o perjudicar a algún botarate. Si desarrollamos esta analogía, podría reconocerse en las descalificaciones de Daneri esparcidas por el narrador aquella "tabla" fatal que se hunde, con un sonido de carcajada, al no percibir el incauto lector su falacia.

El otro, el mismo y el cogollo del Aleph

El título del poemario de 1964, El otro, el mismo, parece ofrecer una clave para la comprensión de «El Aleph». Si entendemos por "el otro" al narrador con todos sus defectos los que, si se burla la trampa, realzan el ingenio y los valores de Daneri, en un nivel más secreto podemos percibir que este personaje "Borges" en algunos aspectos resulta idéntico con "el mismo" Borges real. La pista de esta identificación asoma en la Posdata de 1943. Las coincidencias entre la realidad y la ficción no son muy vistosas, pero son innegables y revelan no solamente una técnica, sino quizás el método para desentrañar el sentido intencional del cuento, más acá del blanco prestigioso al que tantos dantistas que buscan algún vestigio de la Commedia, cabalistas, universalistas, horchateros, etc. dirigen sus interesadas miras. En primer lugar corrobora el "Segundo Premio Nacional" concedido a Daneri su identificación con el autor real quien en 1945 no lo consiguió, habiendo presentado Ficciones. (En recompensa recibió el Gran Premio de Honor por la Sociedad Argentina de Escritores.) En cuanto al título del libro rechazado, de “Borges”, Los naipes del tahur, encontramos una alusión velada a una crítica por Ernesto Sábato quien, en 1945, denunciara en los textos borgianos "fósiles dispares: manuscritos de heresiarcas, naipes de truco [subrayado mío], Quevedo y Stevenson". Borrosa queda la figura del crítico Álvaro Melián Lafinur, el afortunado galanteador de Beatriz y admirado "hombre de letras" . En la realidad histórica era un crítico renombrado (1889 - 1958), miembro de número de la Academia Argentina de Letras, a la cual pertenece Borges sólo a partir de 1955, guitarrista y primo del poeta Evaristo Carriego. Es probable que Borges se sintiera irritado de que "Álvaro" no se juntara con Mallea al consignar ni el segundo premio. Pero ¿qué es el Aleph, qué su naturaleza, su índole, su verdadero poder? Grosso modo percibimos dos campos semánticos. El más vistoso es el que apunta al prestigio cultural: "espacio cósmico", "infinito", "todos los puntos del universo" , "desiertos", "marejadas y ejércitos"; "pirámides", "astrolabio persa", para no hacer caso omiso de los muy sublimes "laberintos", "espejos", etc. Al lado o velado por el caótico inventario cultural, hay otro campo semántico que nos atrevemos a rotular erotismo, y que culmina en: vi en un cajón del escritorio (y la letra me hizo temblar) cartas obscenas, increíbles, precisas, que Beatriz había dirigido a Carlos Argentino. Previamente hay ciertos preludios eróticos: vi en Inverness a una mujer que no olvidaré, vi la violenta cabellera, el altivo cuerpo; vi la delicada osatura de una mano; vi tigres, émbolos[¡!], bisontes. Después de la visión de las "cartas obscenas", se acelera el ritmo del jadeo anafórico del "vi “ y se repite la enunciación del "Aleph", después de la invocación del "engranaje del amor": vi el Aleph, desde todos los puntos, vi en el Aleph la tierra, y en la tierra otra vez el Aleph y en el Aleph la tierra, vi mi cara y mis vísceras, vi tu cara, y sentí vértigo [...]

Como señala Fernández Ferrer (1992) hay diferentes modelos del Aleph, por ejemplo una "gran poma lucida" del canto XXVII de La Araucana "donde todas las cosas parecían/ en su forma distinta y claramente [...] hasta las más menudas sabandijas". Pero frente a los "pomos" o "globos” o manzanas bíblicas, se reduce el tamaño del Aleph borgeano a una pequeña esfera tornasolada de dos o tres centímetros. Si consultamos otra vez el Diccionario de la RAE se nos explica el lexema "tornasolado" con los siguientes términos: ”1 ) Girasol. 2) Cambiante, reflejo o viso que hace la luz en algunas telas o en otras cosas muy tersas. 3) Materia colorante azul violácea producida en la fermentación de algunos líquenes y de otras plantas y cuya tintura sirve de reactivo para reconocer los ácidos, que la tornan roja.” En cuanto a los “dos o tres centímetros” del objeto misterioso, debe constatarse que equivale a la “nutshell”, suponiendo una nuez de nogal, evocada en el primer epígrafe que cita del Hamlet: „O God, I could be bounded in a nut- shell“. Eso nos deja hondamente horrorizados ya que “shell” significa “concha” en castellano, y esa otra cosa en argentino. Ahora, con una enorme aflicción ya que era inconcebible que el pudoroso Borges pudiera concebir algo tan feroz, hurgamos en el texto para encontrar una contraprueba, mas por colmo tropezamos con ese objeto secreto y conjetural, cuyo nombre usurpan los hombres. Es decir, el narrador ya no se incluye entre "los hombres", sino quizás entre los neutros ángeles, después de haber visto las "cartas obscenas" de Beatriz a Daneri, lo cual significa que éste no solamente disponía sobre el Aleph sino también sobre la completa, desvergonzada intimidad de su "deliciosa" prima hermana . La envidia del narrador habrá sido inmensa teniendo que reconocerse además como alguien a quien el acceso al Aleph/ sexo femenino, tanto singular como universalmente, le fue concedido sólo una vez y en circunstancias de urgencia y condescendencia por un individuo que lo impresiona al final del breve éxtasis como una mezcla de divinidad y compadrón, agigantado forzosamente desde su punto de vista: Los zapatos de Carlos Argentino ocupaban el escalón más alto.

Coda recomendataria

Para más detalles con respecto al Aleph, se recomienda una visita al Museo del Quai d' Orsay, en París, donde se puede ver el cuadro inmenso, aunque de reducido tamaño, titulado «L'origine du monde» de Gustave Courbet. También sea conveniente escuchar una canción de Georges Brassens titulada «Le Blason» cuya primera estrofa reza:

Ayant avec lui toujours fait bon ménage,
J'eusse aimé célébrer, sans être inconvenant,
Tendre corps féminin, ton plus bel apanage,
Que tous ceux qui l'ont vu disent hallucinant.

(La versión completa de este trabajo con todo el aparato filológico se publicó en: Horizont-Verschiebungen. Interkulturelles Verstehen und Heterogenität in der Romania. Festschrift für Karsten Garscha. Herausgegeben von Claudius Armbruster und Karin Hopfe. Tübingen: Gunter Narr Verlag 1998, 483-496.)